Samstag, 28. April 2007

Lima im April


Es ist endgültig Winter. Während Ihr in Deutschland in der frühsommerlichen Hitze brütet und in Ebersberg schon das erste Mal im Steinsee gebadet habt, krame ich jeden Morgen einen dickeren Pullover aus dem Schrank. Es ist kalt und feucht geworden hier in Lima. Nicht dass es regnen würde. In Lima regnet es NIE. Und nicht dass es grün wäre. Lima liegt in der Wüste. Aber Humboldtstrom und Mikroklima produzieren zwischen April und Weihnachten in der Stadt den berüchtigten Limeñer Nebel. Den Winter eben.

Im Moment verhüllt der Nebel nur die Sonne, macht einen bleiernen Himmel, der sich in seltenen Momenten öffnet und ein stecknadelgroßes Fleckchen Blau freigibt. Später im Jahr aber wird der Nebel zwischen die Hochhäuser sinken, sich etwa in der Höhe des zehnten Stockwerks festfressen und die Luft mit seinen kleinen schwebenden Tropfen sättigen. Brutstätte für Atemwegserkrankungen und Depressionen. Wer kann, flieht dann an jedem freien Tag aus der Stadt in die umliegenden Berge, wo es zu dieser Jahreszeit warm ist und die Sonne scheint.

Nun stehen wir am Anfang des Winters, aber ich hatte schon im April die Probleme, die ich eigentlich erst im August erwartet hatte. Ich kam mir in meiner Wohnung manchmal vor wie die tuberkulosen Trockenwohner im Berlin der dreißiger Jahre, die Hans Fallada in seinen Büchern beschreibt. Es trocknet nämlich überhaupt nichts. Das Bett wurde jede Nacht noch ein bisschen klammer, die Handtücher begannen nach einem Tag zu riechen, im Schrank ist mir die erste Jacke verschimmelt, und die Vorhänge krabbeln mir wahrscheinlich bald davon. Was für ein Glück also, dass der Mensch den Baumarkt erfunden hat.

Heizungen in den Wohnungen gibt es nicht, aber zum Grundprodukt eines ordentlichen Limeñer Baumarkts gehören Heizstäbe für den Schrank. Ich habe mich allerdings für die Generallösung entschieden: den Deshumecedor. Ein Luftentfeuchter, der mir beim ersten Einsatz aus dem Schlafzimmer in zwei Stunden drei Liter Wasser zog. Das Hochleistungsgerät lasse ich jetzt reihum in meinen Räumen laufen. Seither ist es wieder schön wohlig bei mir - wenn man mal von meinem zweiten Wasserschaden im Bad absieht. Aber den repariert der Handwerker gerade.

Angesichts dieses Winterwetters also kam mir meine erste Dienstreise gerade recht. Ich durfte nach San Ignacio fahren. Das liegt an der ecuadorianischen Grenze, tausendundeinpaarhundert Kilometer entfernt auf 1500 Metern Höhe, und die Anreise dauerte einen ganzen Tag: anderthalb Stunden Flug nach Chiclayo, sechs Stunden Busfahrt nach Jaén, drei Stunden im Pickup mit Vierradantrieb bis zum Ziel. Wenn dort nicht hin und wieder Palmen und anderes exotische Gestrüpp zu sehen wäre, könnte man sich in den österreichischen Voralpen wähnen. So war dann auch das Wetter - ich kam praktisch direkt, na ja, von der Traufe in den Regen.

Der Weg nach San Ignacio

In Jaén schaute ich mir zwei Projekte des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) an. Ich besuchte das lokale Büro meiner Behörde und einen alten spanischen Jesuitenpfarrer, der ein vielfach prämiertes Bauernradio leitet und dessen Mitarbeiter mit den Augen rollen, wenn er spricht. In San Ignacio asistierte ich in einem viertägigen Konfliktworkshop für die lokale Elite: Gemeindeangestellte, Waldarbeiter, freiwillige Hilfspolizisten, Naturschützer, Mitglieder des Verbands gegen die Armut. Das Hauptproblem ist der Kampf um die Ressourcen: illegaler Holzeinschlag, Wasserknappheit, Bodenschätze. Dazu kommen die Korruption, Feindschaft zu den Indianergemeinden in der Nachbarschaft, Drogenhandel und organisierte Kriminalität innerhalb und außerhalb von Polizei und Justiz. Kürzlich wurde in der Gegend ein Journalist erschossen, weil er genau darüber zuviel recherchierte.

Jaén

In San Ignacio gibt es eine geteerte Straße. Die ganze Woche über watete ich mit lehmverkrusteten Schuhen und dreckbespritzter Hose von Pfütze zu Pfütze, während mir die kleinen Kinder mit großen Augen nachschauten, und schon am ersten Tag fraßen mich die Zangudos auf. Die kleinen Biester hatten meine Arme und Beine trotz langer Hosen und Ärmel mit roten Punkten übersäht. Gegen die Beulen der entzündeten Stiche trieb ich eine Salbe aus Schneckenschleim und Aloe Vera auf. Das half. Dass ich in Dengue-Gebiet saß, stellte ich zum Glück erst hinterher fest. Gegen die Krankheit kann man ohnehin nichts machen.


San Ignacio

Nachts erschlug ich die Kakerlaken, schlief dann in meinem fensterlosen Zimmer eingehüllt in den Lärm der Kneipe und einer Batterie von Fernsehern, morgens stellte ich mich mit Gänsehaut unter die kalte Dusche, aß gekochten Maniok zum Frühstück und dreimal am Tag einen Berg klebrigen Reis. Einmal gab´s dann gegrilltes Meerschweinchen. Ich hörte mir die Sorgen eines jeden einzelnen an, und nach einer Woche hatte ich auch wieder genug. Ich machte mich auf die eintägige Heimreise – mit reichem Gepäck.

Der Workshop

Ich bin einem Haufen netter Menschen begegnet, habe jede Menge dazugelernt, endlich die Struktur des peruanischen Staates verstanden, kapiert, dass die freiwilligen Hilfspolizisten nicht immer nur hemmungslose Schlägertrupps sind, dass Lima ganz weit weg ist, dass dieses Land auch als tickende Zeitbombe verstanden werden könnte.

Zwischen San Ignacio und Jaén

Bei der Heimfahrt schlug ich die Zeitung auf. Die Kokabauern aus dem Alto Huallaga riefen zum Generalstreik und zum Marsch auf Lima auf, die Minenarbeiter bereiteten einen Generalstreik im ganzen Land mit Blockade der Bergbauunternehmen vor, in der Region Ancash gibt es Generalstreik mit Straßenbarrikaden, auch in Piura kracht es seit kurzem, in Lima befinden sich seit Tagen Lehrer und Krankenhauspersonal im Ausstand, und wegen zig anderer Konflikte gibt es außerdem irgendwo immer zwischen irgendwem Verhandlungen. Irgendwas vergessen? Mit Sicherheit. Ist was? Nee. Alltag. Alles ganz normal.

Und was tu ich jetzt hier? Na ja, wenn ich das selber richtig weiß, schreib ich´s auf.

Mittwoch, 28. März 2007

Lima im März






Gerade noch rechtzeitig heimgekommen. Ich lege Susana Baca auf und setze mich mit Bier und Zigarette auf den Balkon. Am Horizont, wo das Meer die Krümmung Richtung Tahiti hinunterfließt, färbt sich die Wolkenbank in Blut, und über Steilküste, Palmen und Hochhäusern schweben Nebelfetzen in transparentem Rosa. Direkt vor mir hängen Mondsichel und Abendstern am Himmel. Bis jetzt ist mir auch zu Hause noch keinen Abend langweilig geworden.

Mein neues Zuhause: Im Geschaeftszentrum der Acht-Millionen-Stadt, zwei Blocks vom Meer entfernt an einem Einschnitt in der Steilküste mit Blick auf eben dieses abendliche Panorama. Die Wohnungsbesitzerin in der Schweiz hatte dann doch nachgegeben - und ihr Soehnchen habe
ich bereits erfolgreich neutralisiert.

Abgesehen von Balkon und Panorama habe ich ein Gästezimmer, eine Waschmaschine und einen Dienstboteneingang. Den habe ich zugesperrt. Wenn ich freitags nach Hause komme, ist die Wohnung sauber, und auf dem Tisch liegt ein Zettel von meiner Putzfrau, der allerersten ueberhaupt in meinem Leben. Graciela schreibt: „Gott möge Dich beschützen.“

Das ist hier nicht so dringend wie anderswo. Auch nachts kann ich ohne Probleme zu Fuß ausgehen, und fast überall bin ich in zehn Minuten. Auch in der Arbeit. Dahin fahre ich allerdings mit einem Minibus, der alle paar Minuten mein Haus passiert.

Unter den Fahrgaesten sitzt meistens eine hochschwangere junge Frau: Morgens stopft sie aus einem Türkenkoffer Handyhüllen und Sonnenbrillen in ein Wimmerl, in die Taschen einer Army-Weste und eines rotkarierten Männerhemdes Größe XXXXL. Abends packt sie das nicht verkaufte Zeugs in den Türkenkoffer zurück. Wahrscheinlich arbeitet sie an einer Kreuzung der Panamericana. Nur vergangenen Freitag sah ich sie nicht. Ich war spät dran - wie alle. Für mich blieb nur der Platz außen an der Tür.

Ich fahre jeden Tag in die Arbeit. In den ersten drei Wochen habe ich allerdings nicht wirklich etwas getan. Zwei Wochen lang hatten wir einen Workshop, weil eine deutsche Organisation in Bolivien meiner Abteilung, der Einheit für soziale Konflikte in der Defensoria del Pueblo, ein Computerprogramm schenkt. Das bastelten zwei Bolivianer während der 14 Tage nach unseren Anweisungen um.


Nur für meine Kollegen wurde es plötzlich ein bisschen stressig. Dem Kongress fiel ein, dass er einen Bericht über die Umweltkonflikte im Land haben möchte. Sofort. Nachts dann erschoss das Militär bei einer Konfrontation in den Anden in einem Ort namens Huachocolpa drei Überbleibsel der maoistischen Guerrilla-Organisation Leuchtender Pfad, von der ich eigentlich dachte, dass es sie gar nicht mehr gibt. Später stellte sich heraus, dass mindestens einer der Maenner unbewaffnet und gar kein Terrorist war.

Um das herauszufinden, machte sich der Kollege Jean Carlo auf den Weg in die Provinzhauptstadt Huancavelica: 18 Stunden mit dem Bus. Am Ziel stellte er fest, dass er von dort gar nicht in das Dorf Huachocolpa kommt. Er musste mit dem Bus acht Stunden zurueckfahren, und dann brauchte er immer noch weitere sechs Stunden bis in den Ort. Dabei ist ihm dann auch noch das Geld ausgegangen.

Am Freitag kehrte Jean Carlo zurück, und er berichtete ausführlich. In der Region ist der Staat nicht präsent, sie ist „befreite Zone“. Als das Militär dort jetzt auftauchte, war es das erste Mal seit Jahren. Die Gegend ist Rückzugsort des Sendero Luminoso, der dort sein Geld damit verdient, dass er Drogenkurieren Geleitschutz gibt. Jean Carlo flog auf dem Rückweg mit einem Militärhubschrauber mit, weil vier Murenabgänge die einzige Straße in den nächsten größeren Ort versperrt hatten. Er schwört, dass er vom Landeplatz im Talkessel an den umliegenden Bergen die Senderistas ausmachen konnte. Sogar der Pilot habe beim Abheben vor Angst geschwitzt.

Die Chefriege in der Behörde

Da geht es im Buero schon gemuetlicher zu. Meine Kollegen Gustavo und Pablo haben mich in ihren Mittagskreis aufgenommen. Pablo legt Wert darauf, dass wir auch frische Luft bekommen – wir arbeiten in einem Raum ohne Fenster und Tageslicht, der ungefähr so groß ist wie bei manchen Leuten das Bad. Deshalb wandeln wir nach dem Essen in einem der Fünf-Soles-Lokale (1,25 Euro für eine substantielle Suppe und das Hauptgericht) noch eine ganze Weile durch den angrenzenden Olivenpark. Das ist dem Arbeitsklima zuträglich und sehr unterhaltsam - und außerdem ist meine Pause nun eine Stunde länger. Abgesehen davon muss ich während des Flanierens meinen Nikotinspiegel auffrischen. Im Büro ist Rauchen verboten – so wie in allen geschlossenen Räumen. Eigentlich.


Gustavo ist ein sehr junger Philosoph, der fast Mönch geworden wäre. Ein lateinamerikanischer Intellektueller, der bei den Jesuiten studierte und unter Schlaflosigkeit leidet. Sehr eigen, aber durchaus nett. Pablo ist ein lieber ruhiger Familienvater im fortgeschrittenen Alter, der immer etwas gedämpft spricht und dem der Schalk in den Augen sitzt. Miguel, Jean Carlo und Rocio, alle drei so neu wie ich, versorgen sich irgendwie anderweitig. Sandra, mit der ich am engsten zusammenarbeite, fährt mittags zum Essen nach Hause. Sie ist das Herz der Abteilung: ein kompetentes Mädel, sehr typisch in ihrer Art, Dinge zu organisieren und dann doch oft aufzuschieben. Sehr untypisch für hier in ihrer Direktheit und in ihrem Pflichtbewusstsein. Und in ihrem Alkoholkonsum.



Sandra, Gustavo und ich gingen mit den zwei Bolivianern einen heben. In der Altstadt, wohin ich ausnahmsweise mehr als zehn Minuten brauche, in einer rauen Kneipe aus einem vorvergangenen Jahrhundert. So wie ich es liebe. Wir bestellten zu fünft ein halbes Rind, und es blieb nichts übrig. Wir brauchten Nachschlag. „Media res“ ist ein Paket aus einer halben Flasche Pisco, einer Flasche Ginger Ale, einer Schüssel Eiswürfel, einer Schüssel Zitronen, einem Fläschchen Zuckersirup und einem Fläschchen Angostura. Chilcano schmeckt - es muss nicht immer Pisco Sour sein.



In der Beschreibung fehlt nun eigentlich nur noch mein Chef Rolando. Na ja, und was soll ich da sagen? Dass ich ihn schon noch weich kochen werde? Oder er mich?



Einen tieferen Eindruck von ihm erhielt ich kuerzlich, als wir die Bolivianer zum Abschied mittags zum Essen einluden. Meine Kollegen quetschten sich alle in das erste Taxi. Also blieb ich mit ihm und den zwei Bolivianern für das zweite Taxi übrig. Wir fuhren eine Minute später weg als die anderen und kamen eine halbe Stunde später an als sie.


Es war zwar ein Tisch in dem Lokal bestellt, in dem die Abteilung inklusive Chef schon immer besondere Anlässe feiert. Der Chef aber dirigierte uns ins falsche Stadtviertel, wusste nicht, wohin, und war sich zu schön, das zuzugeben. Als wir uns endlich nach langer Irrfahrt zu den Kollegen an den Tisch setzten, rief er ihnen mit hochrotem Kopf und in schneidendem Ton zu: „Ich hoffe, dass Eure Informationen in der Arbeit genauer sind.“ Für den Rest des Tages sprach er mit ihnen keinen Ton mehr.



Das Lokal war übrigens eine Hähnchenbraterei. „Habt Ihr schon mal gebratenes Hähnchen gegessen?“, fragte mein Chef die zwei Bolivianer. „Das ist eine peruanische Spezialität!“ Die zwei Bolivianer schauten irritiert, sie hatten gerade Lektion Nummer eins in Landeskunde gelernt. Jedes Essen auf der Welt, das es auch in Peru gibt, ist eine peruanische Spezialität. Es gibt mehr als 4000 peruanische Spezialitäten - aber ich habe ja zwei Jahre Zeit. Und einen Supermarkt um die Ecke, der deutsches Weinsauerkraut, Vollkornbrot, Nutella und Erdinger Weißbier verkauft.



Aber soweit bin ich noch nicht. Tatsaechlich fuehle ich mich erstaunlich oft wie im Urlaub, vor allem wenn ich morgens aus dem Haus gehe: Die Sonne scheint, Himmel und Meer leuchten, die Stadt schlaeft noch, die Luft riecht feucht und salzig, und neulich tanzte auch noch ein Taxifahrer auf dem Gehsteig. Was fuer ein Gefuehl!

Samstag, 10. März 2007

Der erste Besucher










Mittwoch, 28. Februar 2007

Lima im Februar

Nach der ersten schwuelheissen Nacht stehe ich um neun Uhr morgens bereit. Das Programm sieht eine Stadtfuehrung vor. Nach fuenf Stunden sagt der junge Ethnologe: „Es ist lustig, wie die Touristen waehrend der Fuehrung immer die Farbe wechseln.“ Ich kann nicht lachen, das würde wehtun im Gesicht. Auf der Rueckfahrt schlafe ich im Auto ein.

Zweiter Tag, Antrittsbesuch beim Botschafter. Ich habe meinen Pass vergessen, sie lassen mich trotzdem rein. Der Botschafter pieckst bei jedem Wort mit seinem Stift das Blatt Papier auf dem Schreibtisch vor sich auf und verschwindet nach 15 Minuten wieder. Geruechte sagen, dass er ganz schlecht Spanisch spricht. Inzwischen weiss ich, dass die Geruechte stimmen.

Dritter Tag, Vollversammlung der deutschen Kollegen und der peruanischen Partnerorganisationen im Luxushotel ausserhalb von Lima. Ich habe praktisch noch keinen einzigen Satz Spanisch gesprochen, bin absolut desorientiert und schwitze wie ein Schwein. Als erstes laufe ich meinem zukuenftigen peruanischen Chef uebern Weg. „Wir haben ja noch viel Zeit zum Reden“, sage ich nach ein paar Hoeflichkeitsfloskeln und verdruecke mich schleunigst.

Mittags lande ich mit eben diesem Chef und sechs peruanischen Kollegen aus anderen Abteilungen der Bürgerrechtsbehörde an einem Tisch. Ich fuehle mich wie in einer Schlangengrube, weiss aber nicht recht, welche Schlange giftig ist. Nur eines weiss ich schon: Mit dem sympathischen jungen Mann neben mir sollte ich keinesfalls zuviel plaudern, das ist der Erzfeind meines Chefs.

Vier Tage spaeter ist die Vollversammlung vorbei. Ich fahre mit dem Bus in das Stadtviertel am Meer, trinke in Miraflores ueber der Steilkueste Espresso, geniesse den Sonnenuntergang und habe zum ersten Mal das Gefuehl, ich sei in Lima. Da ich nicht herausfinde, wo der Bus zurueck abfaehrt, nehme ich ein Taxi. Der Fahrer erklaert mir ungefragt an der zweiten Ampel, dass Peruaner eher auf juengere Frauen stehen.

Sonntags schnappe ich mir den Comercio mit den Wohnungsanzeigen und vereinbare Besichtigungstermine. Die meisten Appartements sind zu teuer. „Muss es unbedingt Miraflores sein?“, will der Taxifahrer wissen. Er zahlt nur 60 Dollar im Monat. Ich frage nicht, wo er wohnt, und treffe beim naechsten Termin die Maklerin von gerade eben. Mit mir wollen 20 Peruaner die Wohnung sehen. Wir passen gar nicht alle rein.

Letzter Besichtigungstermin. Appartement mit Blick aufs Meer. Innerhalb von 15 Minuten bin ich mit der Maklerin handelseinig. Die Besitzerin wohnt in der Schweiz und holt mich von diesem Tag an jeden Morgen mit einer neuen finanziellen Forderung aus der Dusche, die ich später per E-Mail zurueckweise. Abends beim Heimkommen sage ich Marie-Lu, die mein Zimmer putzt, ich sei nur noch zwei Naechte da. Morgens beim Rausgehen sage ich Señora Margerita, dass ich noch einige Tage bleibe.

Drei Tage spaeter ruft Daniel an. Der Sohn der Wohnungsbesitzerin, die in der Schweiz wohnt, fragt mich, ob ich Hockey spiele und will mit mir Toepfe kaufen gehen. Abends steht der halbe Meter mit einem Schrott-Volvo vor meiner Tuer. „Lass uns in den Club fahren!“ Er fuehrt mich durch den teuersten (Freizeit)Club der Hauptstadt wie eine Trophaee und denkt zu Recht, dass ich über ihn lache. Er laedt mich auf eine Cola ein und beginnt ohne Pause zu quatschen. Die dreckigen Bauern sollen bleiben, wo sie sind. Lima gehoert uns. Die cholos stinken, pissen ueberall hin, koennen nicht Auto fahren und produzieren nur Chaos. Ich sage, dass ich aus einer Bauernfamilie komme, bei einer Buergerrechtsbehörde arbeite, und verabschiede mich hoeflich. Der fuer den anderen Tag anberaumte Notartermin zur Unterzeichnung des Mietvertrags wird kurzfristig abgesagt.

Ich muss noch einmal einreisen. Ich hatte statt des offiziellen Dienstreisepasses des Auswaertigen Amtes meinen eigenen benutzt, und nun bekomme ich kein Visum. Ich kriege die zweitgünstigste Variante zugebilligt und setze mich in Flugzeug und Bus und bin schlappe zwei Tage spaeter in Copacabana, Bolivien.

Abends schaffe ich es noch, mit einem Bier den Sonnenuntergang über dem Titicacasees anzuschauen. Am anderen Morgen um zehn hat es sechs Grad. Frühstück nur bis halb zehn. Ich bettel den Küchenjungen um eine Tasse Tee an. Als ich mich bedanke, drückt er mich plötzlich von hinten an sich. Wenn ich auf mein Zimmer gehe, schließe ich die Tür von nun an sofort mit dem Schlüssel ab.

Mittags fahre ich mit einem Boot zur Isla del Sol, der Wiege der Menschheit, dem heiligen Stück Erde im Titicacasee. Wir passieren eine Station der bolivianischen Marine, die mangels Meer auf dem See übt. „Das Meer gehört uns“, steht auf der Marine-Mauer.

In Copacabana wird das ganze Wochenende die Jungfrau gefeiert. Auf dem Dorfplatz tanzen hunderte, festlich gekleidete und verkleidete Hochland-Indianer, bewerfen sich mit Konfetti, behängen sich mit Luftschlangen, besprühen sich mit Schaum und betrinken sich. Und betrinken sich. Und betrinken sich. Der letzte Schluck landet immer auf dem Boden. Eine Gabe an Pachamama, Mutter Erde. Eine der Kapellen muss einmal den Film Bluesbrothers gesehen haben.

Rückreise nach Peru. In dem dunklen Schuppen lege ich dem Grenzbeamten meinen unbefleckten Dienstreisepass des Auswärtigen Amtes auf den Schreibtisch. Er schaut jede einzelne Seite dreimal durch. Ohne bolivianischen Ausreisestempel kriege ich keinen peruanischen Einreisestempel, ohne den ich kein Visum kriege. Irgendwann schaut sich Chef meinen zweiten Pass an und hat Mitleid mit mir. Ich HÜPFE in den Bus. Trotz der dreitausendachthunderundichweißnichtwievielen Höhenmeter.

Fünf Stunden später sitze ich am Flughafen von Juliaca. Noch drei Stunden bis zum Abflug, der mir 25 Stunden Bus erspart. Ich bin alleine und schaue auf die grasenden Kühe vor der Abfertigungshalle. Paris, Texas. Ich habe das Gefühl, ich sei schon seit Monaten unterwegs. Ich bin dann doch die Letzte beim Einchecken. Zwei japanische Reisegruppen tauchten plötzlich aus dem Nichts auf.

Nach vier Tagen wieder in Lima. Es ist halb zehn Uhr nachts, und im Laden um die Ecke kaufe ich Obst. „Mamita, sonst noch was?“, schreit mir die Alte ins Ohr. Seit dem Ausflug habe ich entzündete Nebenhöhlen, seit dem Flug verstopfte Ohren. Und die Gewissheit, dass ich gelandet bin.

P.S. Gerade eben sehe ich in meinen E-Mails: Ich soll die Wohnung mit Blick aufs Meer jetzt doch kriegen – wenn ich....

Donnerstag, 8. Februar 2007

Freitag, 29. Dezember 2006

Mit dem Rücken zur Wand

Roberto setzt sich noch heute niemals in einem Lokal mit dem Rücken zum Raum. Der 43-Jährige achtet immer darauf, sämtliche Ausgänge im Blick zu haben. Er wechselt alle paar Monate die Wohnung. Fragen nach seiner Biographie weicht er aus, und Roberto ist auch nicht sein richtiger Name. Bruchstücke seiner Vergangenheit gibt er höchstens in sentimentalen Momenten nächtens in Kaschemmen preis. Dort pflegt er seine Traumata mit all den Liedern der kubanischen Barden Silvio Rodriguez und Pablo Milanes oder der nicaraguanischen Revolutionssänger Luis Enrique und Carlos Mejia Godoy. So hält Roberto die Erinnerung an seinen ermordeten Vater und an die toten Freunde aufrecht. Quält sich dann mit der einen Frage: Wieso habe ich überlebt? Wozu?

Vor zehn Jahren, am 29. Dezember 1996, beendete ein Friedensvertrag zwischen linken Guerillagruppen und der regierenden Oligarchie den Bürgerkrieg im mittelamerikanischen Guatemala. Er hatte 36 Jahre gedauert und war der blutigste in Lateinamerika. Eine von den UN finanzierte Wahrheitskommission dokumentierte den Horror auf 3400 Seiten: eine Million Flüchtlinge, 200 000 Tote, 45 000 Verschwundene. Mehr als 90 Prozent der Verbrechen hatten Polizei, Angehörige des staatlichen Militärs und ihre Todesschwadronen begangen.
Die Ursachen des Gemetzels sind auch heute nicht beseitigt. Die Nachfahren der Mayas, zu denen sich eine Mehrheit der Guatemalteken zählt, sind immer noch vom politischen und sozialen Leben ausgeschlossen. In den Hochlanddörfern können die meisten weder lesen noch schreiben. Ein Großteil der 13 Millionen Menschen lebt von weniger als einem Dollar pro Tag, viele hungern. Die Wirtschaft liegt danieder. Mehr als eine Million Guatemalteken sind ausgewandert.

Dabei hätte der Friedensvertrag ein Neuanfang sein können. Auch Robertos Hoffnungen waren groß. Der Guerillakämpfer war während des Bürgerkriegs aus dem Land geflohen, lebte in
Nicaragua, Kuba und im mexikanischen Chiapas. 1996 legte er die Waffen nieder und kehrte wie viele Flüchtlinge in die Heimat zurück. Damals sah er nach sechs Jahren seine Frau und seinen Sohn wieder. Seinen weiteren Kindern gab er Namen wie Victoria und Inti – Sieg und Sonne. Aber er wartete vergeblich auf Sieg und Sonne und ertränkte die Enttäuschung eine Zeitlang im Alkohol.

Die Frustration, die Roberto mit vielen seiner Landsleute teilt, kann Juan Ramón Ruiz verstehen. Der Politologe beobachtet für die guatemaltekische Menschenrechtsbehörde die Umsetzung der Friedensverträge. Ruiz zieht ein ernüchterndes Fazit: Nach zehn Jahren ist nicht einmal ein Fünftel der Vereinbarungen über den Aufbau einer gerechten und demokratischen Gesellschaft verwirklicht worden. „Es fehlt am politischen Willen zur Lösung der Probleme”, sagt er.

Dabei hatte schon einmal einer, in den fünfziger Jahren, versucht, die feudal strukturierte frühere spanische Kolonie zu erneuern. Der demokratisch gewählte Präsident Jacobo Arbenz Guzmán wurde jedoch rasch durch US-finanzierte Putschisten vertrieben, die sofort alle Reformen stoppten. So ist die Landfrage bis heute nicht gelöst: Immer noch besitzt eine reiche europäisch-stämmige Minderheit fast den gesamten fruchtbaren Boden. Aber viel Land liegt brach.

So, wie in der Umgebung der Kleinstadt Morales im Bezirk Izabal im Osten des Landes. In dem breiten Tal zwischen zwei Gebirgszügen nahe der Karibikküste kämpfen sieben Gemeinden um Grund zum Anbau von Mais und Bohnen. Die landlosen Bauern essen Tortilla mit Salz, morgens, mittags, abends. Sie sitzen mit Cowboyhut über den hageren Gesichtern auf dem Dorfplatz und berichten von den Versuchen, brachliegende Ländereien zu besetzen und mit Hilfe eines staatlichen Kreditfonds zu kaufen. Mehr als zwei Dutzend ihrer Angehörigen wurden bei diesem Kampf in den vergangenen Jahren ermordet. In den meisten Fällen gibt es Zeugen, wurde Anzeige erstattet. Es kam nicht zu einem einzigen Prozess. Gerade einmal zwei Haftbefehle wurden ausgeschrieben – und nie ausgeführt.

Während des Bürgerkriegs waren es staatliche Schergen gewesen, die ganze Dörfer auslöschten, weil sie die Einwohner verdächtigten, der Guerilla zuzuarbeiten. Ein am Tisch geplanter Genozid. „Heute geht die Gewalt nicht mehr vom Staat aus, aber der kann die persönliche Sicherheit nicht garantieren”, sagt Ruiz von der Menschenrechtsbehörde. Als jedoch die Vereinten Nationen vor wenigen Jahren eine Kommission einrichten wollten, um die illegalen Strukturen im Land, die Verbindungen zwischen dem organisierten Verbrechen, jugendlichen Banden, Menschen-, Waffen- und Drogenhändlern, früheren Geheimdienstmitarbeitern, privaten Sicherheitsdiensten und dem Militär zu untersuchen, lehnte das guatemaltekische Parlament ab.

Darin saß bis vor kurzem auch der Ex-Diktator Efrain Rios Montt. Unter seiner Herrschaft in den achtziger Jahren waren die grausamsten Bürgerkriegsverbrechen begangen worden. Wie Rios Montt blieben bisher so gut wie alle Täter unbehelligt. Zwar hat sich die heutige Regierung unter Präsident Oscar Berger für die Verbrechen während des Bürgerkriegs entschuldigt und will erstmals Entschädigungen an die Opfer zahlen. Aber die leiden weiter. Still. „Das Schweigen frisst dich von innen auf”, sagt Rosalina Tuyuc, die den nationalen Entschädigungsfonds und die Witwenorganisation des Landes leitet. Kein Wunder, dass Psychiater Edgar Vasquez Trujillo feststellt: „In unserem Land gibt es eine Epidemie von psychischen Störungen.” Ein Drittel der Guatemalteken hat Depressionen, Schätzungen zufolge benötigen 80 Prozent psychologische Hilfe.

So wie Roberto. Er war zwölf damals, als sie seinen Vater umbrachten. Der Sohn wollte ihn rächen und schloss sich noch als Halbwüchsiger dem Widerstand an. Als Studentenführer erlebte er, wie seine Kommilitonen plötzlich verschwanden und dann wieder auftauchten; tot und mit Folterspuren. Als er an der Reihe war, brachte ihn eine Menschenrechtsorganisation außer Landes.

„Drei für 25”, ruft Roberto in der Kneipe dem Barden zu und kramt in seiner Hosentasche nach den Quetzal-Scheinen für die drei bestellten Lieder. Der alte Mann rückt seine Gitarre über den krummen Schultern zurecht und zupft die ersten Töne. Roberto nickt, schließt die Augen und fängt an zu singen: „Ich werde in mein Dorf zurückkehren, wenn meine Kinder, denen ich immer von der Sonne erzählte, groß sind.” An den Nachbartischen haben sie aufgehört zu reden. Sie nicken. Roberto singt weiter: „Ich werde in mein Dorf zurückkehren, voll Hoffnung und mit großen Händen zum Arbeiten.” Als sich seine Augen wieder zu schmalen Schlitzen öffnen, glänzt auf beiden Wangen eine dünne Tränenspur.

Donnerstag, 12. Oktober 2006

Fahrt ins Unglück

Die Luft im Bus klebt. Auf den Nebensitz lässt sich ein Mann fallen, ein Baby im Arm, seine Frau quetscht sich dazu. Sie zerrt ein Kind zwischen ihre Beine, das Dritte landet auf ihrem Schoß. Zu sechst auf zwei Sitzen – verdammt eng für eine achtstündige Fahrt durch Ecuador.

Aus den Lautsprechern hinten dröhnt Latino-Hip-Hop, vorne aus dem Fernseher gellen Kampfschreie. Ein Kung-Fu-Film. An jeder Straßenecke ein Stopp, ein Raus- und Reindrängeln, und durch die verschwitzten Leiber zwängen sich die Händler mit Fleischspießen, Süßigkeiten und grellgelber Inca Cola.

Busfahren in Lateinamerika ist kontaktreich, unterhaltsam – und hochgefährlich. Bilder von zerquetschten Karosserien, dazu die Totenmeldungen – das gehört zur täglichen Routine der Zeitungen. Selbst in Kolumbien, so behaupten manche, kommen mehr Menschen bei Busunfällen um als durch den Bürgerkrieg. Die Totenzahlen gehen immer gleich in die Dutzende. So wie in Ecuador, wo jüngst bei einem der schwersten Busunglücke des Landes nahe der Hauptstadt Quito 47 Menschen gestorben sind – vier Familien aus demselben Dorf auf Ausflugsfahrt.

„Niemand kann die Leere verstehen, die ich in meiner Seele spüre”, klagt Rosa Suntaxi. Sie verlor ihre vier Kinder, zahlreiche Freunde und Verwandte bei dem Unfall. Das Unglück war bei Regen auf einer kurvigen Gebirgsstraße in den Anden passiert: Der Fahrer drückte zu sehr aufs Gas, verlor die Kontrolle, der Bus überschlug sich. Das Gefährt war 14 Jahre alt, das Bremssystem defekt, statt der erlaubten 30 saßen 52 Menschen darin. Damit sind auch schon die Hauptursachen für die häufigen Busunfälle in Lateinamerika genannt.

Auf dem Subkontinent, wo ein Großteil der Menschen von weniger als einem Dollar am Tag lebt und sich nur Reiche ein Auto leisten können, sind Überlandbusse das Transportmittel schlechthin, für Menschen, Hühner und jede Art von Gepäck. Die Preise sind moderat – eine politische Angelegenheit. Jede Erhöhung provoziert heftige Proteste, so wie im vergangenen Jahr in Nicaragua, wo Demonstranten Reifen anzündeten und Straßen blockierten. Im Gegenzug sparen viele Unternehmer an Komfort und Sicherheit. Und die chronisch klammen Länder verwenden ihr bisschen Geld eher ungern für den Straßenbau.

Beispiel Ecuador: Autobahnen gibt es in dem gebirgigen Zwergstaat zwischen Peru und Kolumbien praktisch keine. Nur ein Fünftel aller Straßen ist überhaupt geteert. Die altersschwachen Brummer zuckeln auf dem Weg von der Küste in die Hauptstadt die 2850 Höhenmeter in schmalen Windungen hinauf – wenn’s sein muss, auch mit platten Reifen.

Die Busfahrer wiederum arbeiten oft auf Kommission: Ihre Helfer hängen an der offenen Tür und fordern die Passanten an jeder Ecke mit hektischen Handbewegungen zum Einsteigen auf. Bedienen zwei Unternehmen die gleiche Strecke, streicht der mehr Geld ein, der schneller ist – und der Konkurrenz die Fahrgäste wegschnappt.

Und so fügt es sich, dass in einen solchen Bus immer noch einer reinpasst. Wenn nicht – auf dem Dach ist auch noch Platz. Das Problem verschärft sich an Wahltagen. In Ecuador zum Beispiel ist Wählen Pflicht. Und weil die meisten Hauptstädter in ihren Heimatdörfern gemeldet sind, setzt eine große Völkerwanderung ein – sicher auch bei der Präsidentschaftswahl am kommenden Sonntag. Wo sich eine fünfköpfige Familie an normalen Tagen anderthalb Sitzplätze teilt, passt an solchen Ausnahmewochenenden keine Maus mehr in den Wagen.

Die Busfahrer scheren sich da eher selten um die Gesetze. Aber um die Regelung ihrer Arbeitszeit schert sich ja auch keiner. Bei einer Untersuchung in Peru klagten die befragten Überlandfahrer über Dauermüdigkeit: Mehr als die Hälfte von ihnen schlief weniger als sechs Stunden pro Tag, Pause gab es für die meisten frühestens nach fünf Stunden Fahrt. Da wundert es nicht, dass jedem Dritten im Dienst schon mal die Augen zugefallen waren. Die Gegenmittel: Wasser ins Gesicht, Musik, Zigaretten, frische Luft, Kaffee, Cocablätter – und Alkohol. Ob es dann am Schlafmangel lag oder am Rum, lässt sich hinterher nur noch schlecht bestimmen, wenn die Reise am Betonmittelstreifen endete.

In jener Nacht stiegen die Fahrgäste morgens um halb fünf schlaftrunken aus dem havarierten Gefährt und warteten stumm am Straßenrand, bis jemand sie auflas. Aber nicht immer nehmen die Fahrgäste alles klaglos hin. Auf einer kurvigen Bergstrecke entlang der peruanischen Pazifikküste flogen erst Schimpfworte, dann bedrohten die Bauern den überholwütigen Fahrer körperlich: Der bremste notgedrungen und scherte wieder hinter einem 16-Tonner ein – Sekunden später rauschte aus der Gegenrichtung ein Lastwagen vorbei.

Freitag, 24. Februar 2006

Costa Rica in Bildern

San José

Fliegende Tiere






Kaffee








Strand



Abenteuer für gestresste Touristen





Donnerstag, 23. Februar 2006

Rest der Revolte

Einen Stadtplan? Die Frau blickt verstört von ihrem Waschzuber auf. Nein, damit kann sie nicht aushelfen. Sie schreit nach einem ihrer Kinder in dem zugestellten und überdachten Durchgang, der gleichzeitig als Küche, Bad, Trockenraum, Fernsehecke, Kinderzimmer und Eingang zu den fensterlosen Hotelzimmern dient. Eine Buchhandlung? Sie schaut kurz von der Waschbrühe auf, in der sie Babywindeln schrubbt. Ein verständnisloser Blick. Nein, Buchhandlung weiß sie auch keine. Auf der frisch geduschten Haut ihres Pensionsgastes beginnt sich in der schwülen Hitze schon wieder ein Schmierfilm aus Schweiß zu bilden, da ruft sie ihm in die Schmachtfetzen der morgendlichen Telenovela noch etwas hinterher: das Einkaufszentrum, das Plaza Inter, ein Häuserblock zum See, sechs nach Osten. Sie fuchtelt mit den nassen Händen in eine unbestimmte Richtung. Oh mein Gott. Wo ist der See? Wo ist Osten? Wo bin ich hier?

Für Neulinge ist Nicaraguas Hauptstadt Managua ein Albtraum. Und daraus gibt es auch mit einem Stadtplan kein Erwachen – wenn überhaupt einer aufzutreiben ist. Straßennamen existieren nicht. Von dort, wo einmal das Kino Dorado stand, sollen es drei Häuserblocks zum See, zwei nach Westen und ein halber nach Süden sein – eine normale Adressenangabe. Dumm nur, dass der Ort, an dem früher das Kino stand, im Stadtplan nicht als solcher auftaucht, genauso wenig wie andere geheimnisvolle Orientierungspunkte. Es gibt sie nicht mehr, seit das Erdbeben von 1972 die mittelamerikanische Hauptstadt verwüstete.

Und überhaupt: Wo ist der See? Neuankömmlingen bleibt bei der Adressensuche nur ein Taxi. Fahrgäste sollten sich aber nicht wundern, wenn erstens im Auto schon drei Passagiere sitzen, die zuerst abgeliefert werden. Wenn zweitens der Preis von 20 Cordoba (etwa ein Euro) vorher zu entrichten ist, damit der Fahrer tanken kann – ein paar Tropfen für exakt 20 Cordoba. Wenn dieser dann, drittens, versucht, seinen Kunden zum Protestantismus zu bekehren, während ein Radioprediger in voller Lautstärke von der Liebe Christi salbadert. Und wenn der Fahrer viertens an der übernächsten Straßenecke einem Passanten durch das Autofenster die Frage zuruft, die Orientierungslose durch die ganze Stadt verfolgt: In welcher Himmelsrichtung liegt hier der See?

Ja, wo liegt er nun, der See? Wenn Reisende endlich am Ufer stehen, am Rand des Stadtzentrums, wo früher sonntags Dienstmädchen spazierten und flirteten, beginnen sie zu verstehen, dass diese Frage – die Orientierung einmal ausgenommen – vollkommen unerheblich ist. Von der Uferpromenade ist praktisch nichts und vom Zentrum nur eine halb verfallene Kathedrale übrig; außerdem das Nationaltheater, das frühere Parlament und Brachflächen, die bis heute niemand bebaut hat – wenn man mal vom neuen Präsidentenpalast absieht. Baden kann man im Managua-See ohnehin nicht. Die Wasserqualität überleben schon die Fische nicht.

Managua ist keine Stadt zum Besichtigen von Sehenswürdigkeiten. Höchstens Linksnostalgiker dürften ihren Gefallen finden an den Überbleibseln der sandinistischen Revolution. Die bereitete vor 26 Jahren einem diktatorischen Familienclan sein Ende, wurde 1990, nach einem zermürbenden Bürgerkrieg gegen die von den USA finanzierten Contras, durch Wahlen in die Knie gezwungen und versucht seither vergeblich, auf demokratische Weise an ihre einstigen Erfolge anzuknüpfen.

Von denen zeugen ein paar Überbleibsel auf einem Hügel inmitten Managuas: Zwei verrostende Panzer und eine Statue des Namenspatrons Augusto Cesar Sandino, eines Minenarbeiters, der Anfang des vergangenen Jahrhunderts den bewaffneten Aufstand gegen die nordamerikanischen Besatzer anführte und 1934 hinterhältig ermordet wurde. Vom Hügel bietet sich ein schöner Blick auf die Weitläufigkeit der Stadt, ihren See, viel Grün und einen mit Wasser gefüllten Vulkankrater, die Laguna de Tiscapa.

Managuas Schönheit ist eher herb; sie offenbart sich dem, der sich treiben lässt: zum Straßenverkäufer, der schwarz kopierte CDs mit Revolutionsliedern und dazu gleich seine eigenen Erlebnisse feilbietet; im Gewusel des größten zentralamerikanischen Marktes, des Mercado Oriental, der für sich gesehen schon ein Stadtteil ist und in dessen verrufenen Kern sich sogar manche Nicas nicht hineintrauen; an die Fritanga-Buden, die aus schwarz verkrusteten Blecheimern tatsächlich Essbares zaubern.

Oder ins Nachtleben: In eine Bar am Rande eines städtischen Kreisverkehrs, in der sich Mariachi-Musiker ein Zubrot verdienen und sich vornehmlich männliche Gäste mit Rum und Cola bis zum nächsten Morgen retten. In eine der überdachten und vergitterten Freiluft-Kneipen im Stadtteil Bolonia, wo Journalisten bei vielen Litern Bier an blanken Resopaltischen Berufstratsch weitergeben und die Tatsache feiern, dass sie sich wegen politischer Differenzen nicht mehr gleich niederschießen. In eine der Salsa-Diskotheken, natürlich, auch die gibt es.

Einkaufszentren im nordamerikanischen Stil schießen aus dem Boden, üblicherweise mit einer Etage Fast-Food-Restaurants, die ohnehin jede größere Kreuzung markieren. Besserverdienende heben ihr Geld am Drive-in-Schalter ab. Wer kann, verbringt die Wochenenden am Meer. Wenn der See nichts hergibt, dann wenigsten die See. Welche? Die karibische ist von der Hauptstadt aus nur durch logistische Höchstleistung oder im Flugzeug zu erreichen. Also die pazifische. Lieblingsausflugsziel der Nicas, besonders zu Ostern ist das kleine Nest San Juan del Sur.

Wer in der Hauptstadt, wie die große Masse, vom Mercado Roberto Huembes im ausrangierten US-Schulbus dorthin aufbricht, wird auf dem schmalen Bänkchen kaum den Platz finden, auch nur seinen Blick auf die draußen vorbeiziehende Landschaft zu wenden; geschweige denn in seinen Hosentaschen nach dem Fahrgeld zu kramen, das der nach hinten durch die Leiber turnende Busbegleiter verlangt. Da ist es dann doppelt schön, wenn man Freunde mit einem eigenen Auto gefunden hat. Darin genießt man die Bewegungsfreiheit und trällert die inoffizielle Nationalhymne mit. „Ay Nicaragua, kleines Nicaragua, schönste Blume meiner Liebe“, singt Carlos Mejia Godoys zu Recht.

So herb sich die Hauptstadt gibt, so lieblich präsentiert sich das Land. Auf der Strecke in das Fischerdorf San Juan del Sur im äußersten Südosten wartet es auch noch mit touristischen Höhepunkten auf: Masaya, wo der Held Sandino geboren wurde, mit dem Vulkan, dem Kratersee und dem Naturpark gleichen Namens. Oder der gemütlichen Kolonialstadt Granada am Ufer des Nicaraguasees mit seinen Inselgrüppchen und der Vulkaninsel Ometepe.

Zwischen den touristischen Stationen lohnt ein Stopp an einer Imbissbude mit gekochten oder gegrillten Maiskolben, frischem Obst oder warmen Tortillas mit Sahne-Zwiebel-Füllung. Eine schwere, feuchte Schwüle vertreibt die Klimaanlagenluft aus den Lungen, die Milch der Kokusnuss löscht den Durst. Am Straßenrand oder auf einem Dorfplatz entzündet sich schnell einmal eine Debatte über die Neugestaltung der Ortsmitte, den Sinn von Entwicklungshilfe, die Pflanzenvielfalt des Landes oder seine Probleme.

Politisch und sozial liegt vieles im Argen. Einige wenige genießen unglaublichen Reichtum, die Masse aber schlägt sich mit weniger als einem Dollar pro Tag durch. Die großen Parteien üben sich in Posten- und Pöstchengeschachere, der Politikbetrieb lebt von der Korruption, die Auslandsschulden ersticken alle Bemühungen um Besserung.

In einem der weißen Dörfer bei Masaya leuchtet das frisch gemalte Porträt von Sandino von einer Hausmauer. Ein kleiner stämmiger Mann kommt aus der Tür, holt zu einem Vortrag über die Wahlkampfstrategie der Sandinisten aus und schwärmt: „In Nicaragua muss niemand verhungern.“ Letztlich landet aber auch der Dorffunktionär bei den Realitäten. „Die Bauern“, sagt er dann, „die bekommen doch heute fast kein Geld mehr für ihren Mais, ihre Bohnen, ihren Kaffee.“

Das lässt sich ein paar Kilometer weiter beobachten. Dort wurde die Bushaltestelle vor dem Friedhof zum Kaffeemarkt umfunktioniert. Bauern verkaufen am Straßenrand ihre Ernte an Zwischenhändler. Die lassen Bohnen aus den Plastiksäcken in einen Holzkasten schütten, um Maß zu nehmen. Pro Holzkasten ein Pfund Bohnen, pro Pfund Bohnen 25 Cordoba. Auf 40 Säcke schätzt der Bauer seine Ernte in diesem Jahr. Zufrieden setzt er sich in seinen demolierten Pick-up und rumpelt über die schlaglochübersäte Straße davon. Aber die wenigsten haben wie er ihren eigenen Grund und Boden, viele schlagen sich als Tagelöhner durch.

Davon ist am Ziel der Reise, in San Juan del Sur, wenig zu merken. Der schmucke Ort mit einer Hand voll Herbergen, Geschäften, zwei Internet-Cafés und einem kleinen Markt ist gerade dabei, sich zu einem feinen Touristenziel zu mausern. An der einfachen Strandpromenade werben luftige Restaurants mit Fischgerichten, abends lädt die Bar zu einem stimmungsvollen Ron Añejo, an Wochenenden vergnügen sich Dorfjugend und Besucher aus der Hauptstadt bei Reggaeton in der Freiluftdisko. Und neuerdings legen im Ort sogar Kreuzfahrtschiffe an.

Von der Professionalität des nur wenige Kilometer entfernten Nachbarstaates Costa Rica, in jeder Beziehung der Streber des Isthmus, ist man hier im Dorf allerdings noch weit entfernt – wie in ganz Nicaragua. Auf der anderen Seite der Grenze gibt es Adventure-Parks, in denen ein ehemaliger Fleischbaron 200 000 neue Bäume pflanzen ließ, von US-Investoren organisierte Wasserfalltouren, in denen die Begegnung mit Kolibris nicht dem Zufall überlassen wird, und ein von ausländischen Partnern finanziertes Institut, das darauf hinarbeitet, dass die Ökologie nicht den ökonomischen Interessen geopfert wird.

In San Juan del Sur hingegen ist man schon stolz auf den Bau einer Öko-Lodge mit zwölf Zimmern – und speist ausländische Gäste noch nicht mit geschulter Professionalität ab. „Das Geld reicht nicht? Dann zahlst Du eben morgen“, sagt die Frau im Tante-Emma-Laden. Sie reicht eine Tüte mit Pulver über die Theke. „Und nimm das noch mit, mein selbst gemachter Kakao hat Dir doch beim letzten Mal so geschmeckt.“

Montag, 7. November 2005

Der Mut von Managua

Immerhin, seit Montag vergangener Woche gibt es ein Urteil: Der Taxifahrer, der im August den Journalisten Ronny Adolfo Olivas nächtens auf offener Straße erschossen hat, muss für 25 Jahre ins Gefängnis. Die Hintergründe der Tat in der nicaraguanischen Provinzstadt Estelí aber klärte das Gericht nicht: Olivas hatte wenige Tage zuvor drei telefonische Todesdrohungen erhalten. Der 47-Jährige war den Geschäften einer Drogenmafia auf der Spur und hatte mehrere Artikel darüber in La Prensa, der größten Tageszeitung des mittelamerikanischen Landes, veröffentlicht. Seine Recherchen legen nahe, dass auch die lokale Polizei in die illegalen Machenschaften verwickelt ist.

„Gewalt gegen Journalisten war in Nicaragua nie eine Konstante wie etwa in Guatemala oder anderen lateinamerikanischen Ländern“, sagt der Kommunikationswissenschaftler Guillermo Cortés aus Managua. Das hat sich inzwischen allerdings geändert – Ronny Adolfo Olivas war bereits das dritte Opfer innerhalb von 18 Monaten.

Im Februar 2004 erschoss ein militanter Sandinist in Managua den Parteikollegen Carlos Guadamuz, der als Fernsehmoderator wiederholt die eigene Parteiführung kritisiert hatte. Neun Monate später wurde im Zentrum des Landes die 26-jährige Journalistin María José Bravo umgebracht, während sie für die Tageszeitungen La Prensa und Hoy Vorwürfen des Wahlbetrugs nachging. In der aktuellen Rangliste der Journalistenvereinigung Reporter ohne Grenzen zum weltweiten Zustand der Pressefreiheit landete Nicaragua trotzdem im besseren Mittelfeld – auf Platz 67.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen tritt für den Schutz von Journalisten in Kriegs- und Krisengebieten ein. Ihr diesjähriger Bericht von Ende Oktober dokumentiert die Situation in 166 Ländern und beruht auf einer Befragung von Journalisten, Rechercheuren, Juristen und Menschenrechtlern zu gewalttätigen Übergriffen, Morden und Verhaftungen sowie zu politischen, rechtlichen und ökonomischen Einflüssen. Das Ergebnis: Während sich die Situation zwischen September 2004 und August 2005 in einigen westlichen Ländern (vor allem in den USA) verschlechterte, verbesserte sie sich in Lateinamerika.

Aber wie sieht diese Verbesserung in der Realität aus? Die Militärdiktatoren herrschen zwar nicht mehr auf dem Kontinent. Doch abgesehen davon, dass Journalisten in Lateinamerika selbst für dortige Verhältnisse ausgesprochen miserabel verdienen, brauchen sie immer noch sehr viel Mut. Ihre Arbeit ist nach wie vor gefährlich. Dabei sind die Arten der Bedrohung mindestens so unterschiedlich wie die einzelnen Länder.

El Salvador zum Beispiel rangiert in der Rangliste von Reporter ohne Grenzen unter den Besten, auf Platz 28 – und damit noch vor Frankreich und Australien. In dem mittelamerikanischen Land kam im vergangenen Jahr kein Reporter um. Allerdings regiert dort die Selbstzensur. Während des Wahlkampfes 2004 spotteten viele über „Saca-Televisión“: Präsidentschaftskandidat Elías Antonio Saca, Vertreter der Wirtschaftsoligarchie und Medienunternehmer, gewann die Wahl, kleinere Oppositionsparteien waren praktisch totgeschwiegen worden. Unter den Schlusslichtern des amerikanischen Kontinents findet sich Peru: In dem Andenstaat kam ebenfalls kein Reporter um. Allerdings weiß die Vereinigung dort von mehr als 60 Fällen, in denen Journalisten eingeschüchtert, bedroht oder angegriffen wurden.

Aufgeklärt werden solche Angriffe in vielen Ländern nicht. Auch nicht in Guatemala. Deshalb recherchierte der Chef der dortigen Tageszeitung El Periódico, José Ruben Zamora, notgedrungen selbst, wer ihn im Juni 2003 attackiert hatte: Zwölf schwer bewaffnete und unmaskierte Männer hatten ihn und seine Familie zu Hause überfallen und waren erst nach drei Stunden wieder abgezogen – mit dem Rat, keine Artikel mehr gegen „die da oben“ zu veröffentlichen. Zamora hatte über Korruption in der Regierung und über parallele Machtstrukturen aus Militärs und organisiertem Verbrechen geschrieben. Der Zeitungschef identifizierte vier Täter, immerhin zwei wurden aufgrund seiner Hartnäckigkeit verhaftet und angeklagt. Doch das Gericht verurteilte im Februar dieses Jahres nur einen. Die zwölf Männer waren frühere Mitglieder des Geheimdienstes.

Bis zur Anklage kam es im Fall des ecuadorianischen Journalisten Fernando Oña Pardo erst gar nicht. Der Mitherausgeber des Zweiwochenblattes Opción hatte sich im April in der Hauptstadt Quito in einem Restaurant an einen Tisch gesetzt, als drei Männer hereinkamen, eine Waffe zogen und ihn davor warnten, weiter gegen die Regierung zu schreiben. Die hatte sich da schon so unbeliebt gemacht, dass Präsident Lucio Gutiérrez kurz darauf des Amtes enthoben wurde und ins Ausland flüchtete. Während der vorausgegangenen Massenproteste war in den Tränengasschwaden des Militärs ein chilenischer Reporter ums Leben gekommen.

Aber nicht nur Selbstzensur und direkte Angriffe – von staatlicher Seite oder aus Kreisen des organisierten Verbrechens – behindern die Arbeit von Journalisten in Lateinamerika. In Brasilien stammt das Pressegesetz zum Beispiel noch aus der Zeit der Militärdiktatur, und das Recht auf den Zugang zu Informationen ist nur in den wenigsten Ländern gesetzlich festgeschrieben.

Neben der juristischen Gängelung gibt es die ökonomische: Regierungen bestimmen über Sendelizenzen und die Vergabe staatlicher Werbung, die gerade bei kleinen Medien über Leben oder Tod entscheidet. Und auch wenn Reporter ohne Grenzen zu dem Schluss kommt, dass Länder wie der fragile Andenstaat Bolivien Beleg dafür seien, dass Demokratie und die Achtung der Menschenrechte nicht zwingend von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängen, so beeinträchtigen wirtschaftliche Strukturen doch ganz erheblich die Pressefreiheit.

Wie zum Beispiel in Nicaragua: Das Wirtschaftsleben dort wird vom Familienkonzern Pellas bestimmt. Für den Bau des monströsen Unternehmenssitzes in Managua wurden der Firmengruppe – mit fadenscheiniger Begründung – Steuern in Höhe von drei Millionen Dollar erlassen. Der freie Journalist Carlos Fernando Chamorro, jahrelang einer der beliebtesten Fernsehmoderatoren im Land, hatte das Thema als Einziger aufgegriffen – und sich damit fast ruiniert. Der Konzern zog nach der Veröffentlichung seine Anzeigen aus Chamorros Fernsehsendung und Wochenzeitung zurück. „Wenn Pellas in einem Medium seine Anzeigen storniert, kann das zusperren“, sagt Medienwissenschaftler Cortés.

Damit nicht genug: Die Firmengruppe Pellas ist selbst eine Größe in Nicaraguas Medienlandschaft. Ihr gehören neben einem Dutzend anderer marktbeherrschender Unternehmen auch eine bedeutende PR-Agentur, ein Fernsehsender und der Monopolist im Kabelfernsehen – und obendrein verantwortet ein Pellas-Manager als Verbandsfunktionär die Erhebung der TV-Quoten.

Ein Thema ist das in Nicaragua natürlich nicht.

Mittwoch, 24. August 2005

Weine nicht um den Amazonas...

In Sarayaku gibt es keinen Strom, fließend Wasser nur in Bächen. Die Häuser bestehen aus gestampftem Boden und einem Holzdach auf Stelzen. Bei Regen verwandeln sich die Trampelpfade durch das Dorf in Schlammpfützen. Die Frauen kochen auf Feuern aus großen Baumstämmen. Auf den Tisch kommt, was die Männer im Rio Bobonaza fischen und mit Lanze oder Gewehr jagen, was die Frauen auf den Feldern anbauen, die bis zu zwei Stunden Fußmarsch entfernt sind: Maniok, Bananen, Mais. Das Dorf ist ein unberührter Flecken im Süden des ecuadorianischen Amazonas, der für die Ölförderung freigegeben ist. Die Einwohner verfolgen deshalb sehr genau den Kampf um den Rohstoff, der sich im Norden des Landes in diesen Tagen verschärft hat.

Nach Sarayaku sind es von dort, wo die Anden auslaufen und der Dschungel beginnt, zwei Tage auf dem Rio Bobonaza oder eine halbe Stunde in einer viersitzigen Cessna. Franco Viteri wohnt direkt an der Landepiste. Der frühere Bürgermeister pflegt verdächtige Besucher mit Chicha de Yuka, einem alkoholischen Getränk aus Maniok zu empfangen, aber auch mit einem anderthalbstündigen Verhör. Im Dorf ist man misstrauisch.

Vor 80 Jahren haben die Kichua-Indianer die evangelischen Missionare verjagt, seit 15 Jahren wehren sich die 200 Familien schon gegen die Ausbeutung der Erdölvorkommen in ihrem Gebiet. Mehr als einmal hat die Regierung angekündigt, das Militär gegen die Indianer einzusetzen. Es gibt ungeklärte Todesfälle, Morddrohungen, Überfälle. Der Staat hat den Familien ihr angestammtes Territoriumschriftlich garantiert, von den Bodenschätzen aber will er nicht lassen.

Die Einwohner Sarayakus wissen, was die Ausbeutung der Bodenschätze mit sich bringt. Sie kämpfen für die Unversehrtheit der Natur und ihre traditionelle Lebensweise. „Nach euren Kriterien sind wir arm. Aber wir sind nicht arm, wir haben alles, was wir brauchen“, sagt Franco Viteri. Wie die meisten im Dorf kennt der 37-Jährige das Leben draußen und die Vorstellungen der Europäer und Nordamerikaner von Entwicklung.

Wie diese aussieht, kann man weiter nördlich besichtigen, in den Provinzen Sucumbios und Orellana. Auf 4,5 Millionen Hektar, größtenteils in Naturschutzgebieten, bohren die staatseigene Firma Petroecuador und ausländische Konzerne wie Agip, Burlington, Repsol oder CGC nach Öl. Die Einwohner profitieren allerdings nicht von den satten Gewinnen. In der vergangenen Woche besetzten sie deshalb Ölfelder und sabotierten Anlagen. Die Regierung musste die Förderung stoppen und verhängte den Ausnahmezustand. Gespräche mit den Demonstranten blieben bislang ohne Ergebnis. Sie fordern Nachverhandlungen mit den Konzernen, Investitionen in die Infrastruktur, und sie protestieren gegen die sozialen und ökologischen Folgen der Förderung.

Der nordamerikanische Konzern Texaco förderte zwischen 1964 und 1992 in den beiden Provinzen 1,5 Millionen Fass Öl. Einen großen Teil der Anlagen, veraltet und schlecht gewartet, betreibt Petroecuador heute noch. Kilometerlange Rohre durchziehen die Landschaft. Wo das bei der Ölförderung entstehende Gas abgefackelt wird, züngeln Flammen zwischen den Bäumen. Auf Lichtungen finden sich in die Erde gegrabene Ölbecken, groß wie Schwimmbäder. Sie sind nicht eingezäunt, und wenn es regnet, laufen sie aus. Manche Bäche sind seit Jahrzehnten voller schwarzer Klumpen. In Wiesen über zugeschütteten Ölbecken breiten sich dunkle Lachen aus.

„Ecuador muss entscheiden, was es dem Öl opfern will“, hat Petroecuador-Chef Rodolfo Barniol vor fünf Jahren gefordert. Umweltschützer zitieren diesen Satz gerne. Sie schätzen, dass die Reinigung des ehemaligen Texaco-Geländes sechs Milliarden Dollar kosten wird. Um diese Summe geht es seit Mitte vergangenen Jahres in einem Schadenersatz-Prozess gegen den US-Konzern vor einem ecuadorianischen Gericht. „Weine nicht um den Amazonas, du tankst Texaco“, hat jemand an eine Hausmauer in Quito geschrieben.

Dort in der Hauptstadt arbeitet der Spanier Adolfo Maldonado. Der 46 Jahre alte Tropenmediziner hat für die ecuadorianische Organisation Accion Ecologica die Folgen der Ölförderung untersucht. „Was im Amazonas passiert, ist gleichbedeutend mit einem Unfall wie dem des verunglückten Tankers Exxon Valdez alle zwei Jahre“, urteilt er. Die Sterberate im Fördergebiet ist mehr als zweieinhalb mal so hoch wie in der Hauptstadt. Jeder Dritte stirbt an Krebs. Hautkrankheiten treten dreimal häufiger auf als im Rest des Landes, es gibt deutlich mehr Abgänge in der Schwangerschaft. „Das ist ein komplettes Desaster. Was dort passiert, ist kriminell“, sagt Maldonado.

Die Indianer von Sarayaku fürchten, dass es auch in ihrem Ort so weit kommen könnte. Deshalb sagt Franco Viteri ein wenig feindselig: „Wir wollen eure Art der Entwicklung nicht.“ Auch nicht gegen finanzielle Entschädigung. Sein Nachfolger Marlon Santi wirbt in ganz Südamerika und bisweilen in Brüssel oder Genf um Unterstützung. Der 27-Jährige trägt dann Federschmuck um den Hals und versucht begreiflich zu machen, dass den Familien von Sarayaku ihre Erde heilig ist. „Lieber sterbe ich, als dass ich ohne sie lebe“, hatte er seiner Mutter kurz vor ihrem Tod versprochen.

Doch die Auseinandersetzung um Sarayaku hat sich weiter zugespitzt. Nicht nur Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen beschäftigen sich mit Drohungen und Angriffen gegen Marlon Santi und die anderen Dorfbewohner, sondern auch der Amerikanische Gerichtshof für Menschenrechte. Ziel der Attacken sind aber auch Mitarbeiter von Organisationen, die Sarayaku unterstützen. Dazu gehört das Zentrum für ökonomische und soziale Rechte in Quito, in dem der Anwalt Mario Melo arbeitet. Er beschreibt die Lage mit den Worten: „Ein Dorf, verloren im Dschungel, kämpft für seine Würde.“

Noch haben die Menschen in Sarayaku diese Würde nicht verloren. Sie leben in einer Welt der Schamanen, Heilriten und Legenden, in der die Gemeinschaft und die Solidarität im Dorf zählen. Es ist diese Lebensform, die sich die Kichua-Indianer bewahren wollen. Doch im Dorf gibt es eine alte Prophezeiung, die niemand deuten mag: „Wir sind das letzte Volk, das Widerstand leistet. Aber das letzte wird fallen.“

Mittwoch, 11. Mai 2005

Die Macht der Maras

Die Tätowierungen sind nicht zu übersehen: auf dem linken Handrücken ein Spinnennetz, „M 18“ auf dem rechten. Die 26-Jährige versteckt sie nicht, obwohl sie nicht mehr Mitglied der „Mara 18“ ist. Miriam stieg aus der kriminellen Jugendbande aus, als diese ihre beiden Brüder umbrachte, wegen Verrats. Dass sie noch lebt, verdankt sie ihrem heute fünfjährigen Sohn. Wegen des Kindes ließen die Mörder gegen sie Gnade vor Bandenrecht walten.

Die junge Frau könnte aus jeder beliebigen zentralamerikanischen Großstadt stammen. Auch aus Ecuador, Peru, Mexiko oder den USA, neuerdings sogar aus Spanien. Die straff organisierten Jugendbanden haben sich auf dem gesamten amerikanischen Kontinent ausgebreitet, beherrschen mit ihren Kriegswaffen Städte und Landstriche, rauben, entführen, foltern, vergewaltigen und morden, handeln mit Drogen, Waffen und Menschen und werden zudem verdächtigt, mit al-Qaida in Kontakt zu stehen. In der spanischen Hauptstadt registrierte die Polizei in diesem Jahr erstmals Bandenkriege zwischen lateinamerikanischen Einwanderern.

Miriam stammt aus einem Viertel der guatemaltekischen Hauptstadt, die sich mehr als ein Dutzend Maras aufgeteilt haben. Allein in Miriams Stadtteil mit 45 000 Bewohnern wurden im Januar und Februar diesen Jahres 160 Menschen umgebracht, mehr als 100 bewaffnete Raubüberfälle verübt und mindestens 40 Frauen vergewaltigt. Bewaffnete Busüberfälle und Morde mitten in der Innenstadt sind an der Tagesordnung. Händler geben ihre Geschäfte auf und Busfahrer treten in den Ausstand, wenn die Banden ihre Schutzzölle erhöhen. Wer nicht zahlt, wird erschossen. Neuerdings klingeln sie auch gerne abends an der Tür und schauen sich in der Wohnung um. Wenn sie gefällt, bleiben sie – für immer. Die Hausherren dürfen das Notwendigste zusammenpacken, bevor sie auf der Straße landen. Die wenigsten erstatten Anzeige. Sie haben Angst.

Schätzungen zufolge gibt es allein in Honduras, Nicaragua, El Salvador, Panama und Guatemala mehr als eine halbe Million Bandenmitglieder. Sie sind in der Regel zwischen zwölf und 30 Jahre alt, verstehen die Gang als Ersatzfamilie, sprechen in eigenen Codes und identifizieren sich durch Tätowierungen. Auch in den USA sollen 50 000 Mitglieder von Banden leben.

Polizei-Experten zufolge sind sie auch dort entstanden, als in den 70er und 80er Jahren Tausende Bürgerkriegsflüchtlinge aus Zentralamerika in die Vereinigten Staaten flohen. Zum Schutz vor den bereits existierenden Latino-Gangs, deren Ursprung bis ins vorletzte Jahrhundert zurückreicht, gründeten sie eigene Banden. Seit aber in Zentralamerika zumindest auf dem Papier Frieden herrscht, schiebt die US-Polizei jeden ab, der auffällig wird. In ihren Heimatländern gründen die Mareros dann neue Gruppen und schaffen so ein internationales Netz.

Während die USA aus Angst um die Sicherheit im eigenen Land von der Region eine gemeinsame Strategie im Kampf gegen die Jugendbanden fordert und kürzlich Geld dafür in Aussicht gestellt haben, sehen sich die Präsidenten aus dem armen Hinterhof der Großmacht überfordert. Sie setzen das Thema zwar regelmäßig auf die Tagesordnung ihrer Treffen und vereinbarten kürzlich eine gemeinsame Eingreiftruppe, einen zentralamerikanischen Haftbefehl und schärfere Gesetze. Ihre Mittel sind aber begrenzt, leiden die Länder doch unter einem korrupten Staatsapparat, einer schwachen Justiz und einer wenig effektiven Polizei.

Als in Guatemalas Hauptstadt kurz nach Amtsantritt von Oscar Berger im vergangenen Jahr eine übel zugerichtete Leiche mit einer Botschaft an den neuen Präsidenten auftauchte, holte dieser das Militär zu Hilfe. Das allerdings beherrscht auch neun Jahre nach Ende des Bürgerkriegs ohnehin die Strukturen des Landes und wird verdächtigt, die eigentliche Macht hinter illegalen Gruppen und dem organisierten Verbrechen zu sein, die sich der Maras als Drogen- und Waffenhändler bedienen.

Honduras Präsident Ricardo Maduro hat sogar ein persönliches Motiv für hartes Durchgreifen. Sein Sohn wurde 1997 von Mara-Mitgliedern ermordet. Seither gilt dort wie inzwischen in allen Nachbarländern null Toleranz. Menschenrechts- und andere Organisationen wie das überregional tätige Straßenkinder-Projekt Casa Alianza kritisieren, dass dabei auch mit schmutzigen Methoden gearbeitet wird. Sogar der jüngste Menschenrechtsbericht der USA spricht von außergerichtlichen Hinrichtungen durch paramilitärische Gruppen, die von der Wirtschaft finanziert werden. Während die offizielle Seite dies leugnet, räumte ein Ex-Funktionär des Sicherheitsministeriums ein: „Es ist einfacher, die Banden zu eliminieren als zu rehabilitieren.“ Genau das – Vorsorge und Rehabilitation – aber fordern Sozialverbände. Eine Studie der Zentralamerikanischen Universität in El Salvador kommt auch zu dem Schluss, dass die Gangs Folge der sozialen Ungleichheit in der Region sind.

Miriam hat gerade ihr zweites Kind auf die Welt gebracht. Vom Vater fehlt jede Spur, von der zerrütteten Familie kann sie keine Unterstützung erwarten. Immerhin: Mit Hilfe von Casa Alianza holt sie jetzt die Grundschule nach.

Samstag, 9. April 2005

Mitten in Guatemala

Es gibt Orte, an denen man lernt, den Lärm von Feuerwerkskrachern und Gewehrschüssen zu unterscheiden. Guatemala-Stadt ist so einer. Da verlässt man täglich das Haus in der Gewissheit, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es einen erwischt. Mord, Raub, Entführung, Vergewaltigung sind an der Tagesordnung. Ein jeder versucht also, sich auf seine Art zu schützen.

Donã Milagro, eine ältere Dame aus der besseren Mittelschicht, fährt nur mit dem eigenen Auto. „Taxi oder Bus, das ist die Wahl zwischen Teufel und Belzebub“, sagt die resolute Hausverwalterin. Wer ins falsche Taxi steigt, landet dort, wo Jugendliche mit Uzis und AK47 die Straßen beherrschen. Nähere Bekanntschaft lässt sich mit ihnen schnell auch in Bussen machen. Bewaffnete Überfälle dort sind alltäglich. Kürzlich gestand ein Journalist seinen Tick, bei jedem Halt abzuspringen und einsteigende Fahrgäste zu taxieren.

So ein Überfall kann schon mal zweieinhalb Stunden dauern. Schuhe sind dann als Versteck für den Notgroschen nicht geeignet. Die sammeln die Räuber zusammen mit den Strümpfen ein. Es empfiehlt sich aber, ein Minimum an Barem griffbereit zu halten, um niemanden unnötig zu provozieren. Kleingeld ist auch für andere Fälle nicht schlecht. Jeder holt gerne ein paar Centavos aus der Tasche, wenn wieder ein junger Mann einsteigt und Bonbons verteilt. „Ich könnte euch auch überfallen“, lautet der Standardsatz. Herumliegende Plastiktüten sollten Fahrgäste nie anfassen. Jüngst fand ein Busreisender einen abgeschnittener Frauenkopf in solch einer Tüte.

„Man traut sich gar nicht mehr aus dem Haus“, sagte Doña Milagro anderntags. Abends schon gar nicht. Mit ihren Freundinnen trifft sie sich daher nur noch mittags. Als die beleibte Witwe kürzlich von einem Termin erst um halb acht zurückkehrte, legte sie die Meter zwischen Garage und Haustür im Laufschritt zurück. Auch andere Guatemalteken blicken bei Veranstaltungen um sechs schon nervös auf die Uhr und sagen: „Es ist schon ganz schön spät.“

Wer um diese Uhrzeit im Zentrum noch etwas essen möchte, muss sich sputen. Dort schließt sogar McDonald’s früher als anderswo, und ab sieben, wenn Straßenhändler ihre Stände abbauen und Obdachlosen ihre Kartons auf dem Gehsteig ausgebreitet haben, ziehen die meisten Lokale ihre Rollläden herunter. Abendvorstellungen im Kino gibt es nicht, und in der Bodeguita del Centro, einer der wenigen Bars in der Innenstadt, spielen Musiker meist im leeren Lokal.

Doña Milagro hat nicht nur ihren Tagesablauf verändert. Ihre Neigung zu auffälligen Ohrgehängen lebt die Hausverwalterin nur noch in ihren eigenen vier Wänden aus. Ein Straßenhändler hatte ihr zuvor im Vorbeigehen nachgerufen: „Die traut sich was.“ Sie trug Modeschmuck, den sie für etwa einen Dollar auf dem Markt gekauft hatte. Selbst untertags geht sie nur mit ein paar Quetzals auf die Straße. Wer öffentlich einen Hunderter zeigt, umgerechnet sind das zehn Euro, macht sich des Leichtsinns schuldig. Und Wechselgeld gibt es nicht einmal für einen Fünfer.

Wer aber doch in die Verlegenheit kommt, einen größeren Betrag mit sich führen zu müssen, dem bleibt nur die Unterwäsche. Selbst in besseren Geschäften zaubern Frauen die Scheine zwischen ihren Brüsten hervor. Wem es vor den stinkenden Fetzen auf der Haut ekelt: Straßenhändler verkaufen Unterwäsche mit integrierten Geldscheintaschen.

Freitag, 8. April 2005

Wieder zurück


Mittwoch, 30. März 2005

Weihrauchschwaden












Die letzten Traenengasschwaden hatten sich gerade aufgeloest, da begannen die Weihrauchwolken durch die Strassen zu wabern. In der Osterwoche zogen Prozessionen lila und schwarz gekleideter Kaputzenmaenner zu Dutzenden und zu jeder Tages- und Nachtzeit durch die Stadt, Frauen und Maenner muehten sich auf ihren Schultern mit lastwagengrossen Aufbauten fuer die Heiligenfiguren ab. Aber nun ist wieder Ruhe eingekehrt, und selbst die Sonne goennt sich eine Pause. Feine Regentropfen fallen aus einem schwarzen Himmel, der ganz meinem inneren Zustand gleicht. Es steht die Heimreise an.

Sonntag, 20. März 2005

In Zone 12

Das Frauenprojekt UPAVIM