Samstag, 7. Februar 2009

Die zweite Unabhängigkeit

Mit einem Fest in der Arbeiterstadt El Alto, an dem nach offiziellen Zahlen etwa eine Million Menschen teilnahmen, ist heute die neue Verfassung in Kraft getreten. Sie wurde vor zwei Wochen mit 61,43 Prozent der Stimmen in einer Volksabstimmung angenommen, macht Bolivien zu einem "Estado Unitario Social de Derecho Plurinacional Comunitario" und sichert den Indigenen mehr Rechte, Land und eine eigene Justiz zu. Dass es bei der Zeremonie, die den ganzen Tag dauerte, regnete, nahm Präsident Evo Morales als Zeichen dafür, dass Bolivien nun bessere Tage sehen werde. Die diesjährige Regenzeit war bisher so trocken, dass bereits darüber nachgedacht wird, das Wasser zu rationieren.

Der Konflikt um die neue Verfassung ist mit ihrer Verkündung aber noch lange nicht zu Ende, auch wenn Morales von "der zweiten Unabhängigkeit" sprach und das Referendum erstaunlich unblutig verlief. Zum einen ließen Präfekten aus dem Tiefland schon vorab wissen, dass sie die Verfassung nicht umsetzen würden. Zum anderen ist das erst der Beginn eines Staatsumbaus, der eine Vielzahl von neuen Gesetzen erfordert. Skeptiker sagen voraus, dass sich nun eine neue Front öffnen werde und sich die sozialen Bewegungen und die Regierung untereinander zerfleischen würden.

In meiner Behörde gibt es viele, die richtig darauf hoffen. Ich bin da in ein Nest von Regierungs- und MAS-Gegnern geraten. "Gibt es eigentlich auch Anhänger von Morales in der Defensoría?", fragte ich meine Kollegin Ximena diese Woche. "Ich habe gehört, dass es die vereinzelt geben soll", antwortete sie. "Aber ich kenne keinen."

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