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Das Heilige Tal ist eine Welt in Grau: Am Fuße der Wüstenberge säumen unverputzte Mauern aus hässlichen Betonziegeln die Sandpisten. Julia Sayán Mendoza öffnet die Tür zu ihrem Grundstück. Die 33-Jährige Slumbewohnerin hat heute ungewöhnlichen Besuch: Die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. Sie führt ihren Gast an der Hütte vorbei bis zur Außenmauer und deutet in den Nachbarhof. Dort liegt massenhaft Müll: Plastiksäcke, Schläuche, gebrauchte Kanülen und Spritzen. „Das ist Krankenhausabfall. Manchmal habe ich auch schon amputierte Arme entdeckt.” Die Ministerin aus Deutschland wendet sich entsetzt ab.
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Das Heilige Tal ist ein unwirtlicher Ort am Nordrand von Perus Hauptstadt Lima, der zweitgrößten Wüstenstadt nach Kairo. Es ist eines von 52 Elendsvierteln im Distrikt Carabayllo und ein drastisches Beispiel für die Probleme des Landes. Die Ministerin besucht Peru in der Karwoche in Vorbereitung auf den Gipfel der europäischen und lateinamerikanischen Staatschefs, der von 13. bis 17. Mai in Lima stattfindet. Dort soll es um den Klimawandel gehen und die sozialen Probleme, die er in armen Ländern hervorruft. Von denen konnte Wieczorek-Zeul sich bei ihrem Besuch in der Neun-Millionenstadt Lima überzeugen: „Die Umweltprobleme Perus sind gravierend. Der Bergbau hinterlässt große Schäden in der Natur. Außerdem ist das Land besonders von extremen Wetterereignissen in Folge des Klimawandels betroffen. Die Anden-Gletscher schmelzen mit hoher Geschwindigkeit, Wüsten breiten sich aus.”
Umweltschutz aber genießt bislang keine Priorität, weder in Peru noch in den meisten anderen lateinamerikanischen Ländern. Es fehlen gesetzliche Regeln und Grenzwerte, der Staat kontrolliert fast nichts, und es fehlt auch der politische Wille, etwas zu ändern. Am meisten trifft das die, die in Armut leben und an denen das enorme Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre spurlos vorübergegangen ist. Deutschland und anderen Staaten dringen deshalb darauf, dass Länder wie Peru Umweltministerien einrichten „Dieses habe ich immer wieder deutlich gemacht, vor allem auch im Gespräch mit Ministerpräsident Jorge Del Castillo”, erklärte Wieczorek-Zeul nach ihrem Treffen mit dem peruanischen Regierungschef.
Die Länder der Europäischen Union sind die wichtigsten Geldgeber für Entwicklungsprojekte in Lateinamerika. Im vergangenen Jahrzehnt hat allein die EU 420 Millionen Euro in soziale Projekte investiert. Auf den Müllbergen von Lima sieht man, dass das bei weitem nicht ausreicht.
In den Elendsvierteln von Carabayllo gibt es weder Wasser noch Kanalisation oder Strom. Wer geregelte Arbeit hat, verdient weniger als hundert Dollar im Monat. Die meisten Bewohner sind noch keine zehn Jahre alt, wenn sie zu arbeiten beginnen. Jedes dritte Kind leidet an chronischer Unterernährung. Viele Menschen dort sehen keine andere Chance, als mit Abfallsammeln ihr Geld zu verdienen. Die Müllhalde liegt anderthalb Kilometer vom Heiligen Tal entfernt. Sie genügt nicht einmal peruanischen Vorschriften. Nachts holen die Müllsammler dort Plastiksäcke ab. Sie sortieren den Inhalt auf ihren Grundstücken, waschen Plastikhandschuhe, Schläuche und Spritzen aus, verpacken sie neu und verkaufen sie. Was nicht zur Wiederverwertung taugt, verbrennen sie an Ort und Stelle.
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Außerdem wird in der Siedlung Blei aus alten Autobatterien geschmolzen und in Platten weiterverkauft. Und als wäre das noch nicht genug, klaffen zwischen den Siedlungen 50 Meter tiefe Löcher, aus denen Tonerde abgebaut wird – natürlich ohne Genehmigung.
Die Böden in Carabayllo sind mit Blei, Cadmium und Chrom verseucht. Die Kinder haben zwei- bis sechsmal so viel Blei im Blut wie die Weltgesundheitsorganisation zulässt. Auch die zwölfjährige Tochter von Julia Sayán Mendoza ist krank. „Am Anfang wussten wir gar nicht, was es ist. Kristel klagte über extreme Kopfschmerzen, blutete ständig aus der Nase, hatte Hautekzeme”, berichtet die Mutter. „Inzwischen wissen wir, dass die erhöhten Bleiwerte die Entwicklung unserer Kinder extrem schädigen.”
Das christliche Hilfswerk Misereor und lokale Organisationen unterstützen die Menschen. Der Bürgermeister hingegen schaut weg, genau wie das Gesundheits- und das Bergbauministerium. So hoffen die Menschen im Heiligen Tal, dass die Regierung ihr Versprechen wahrmacht und bald das Umweltministerium gründet, das sich ihrer annehmen soll.
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Das Heilige Tal ist ein unwirtlicher Ort am Nordrand von Perus Hauptstadt Lima, der zweitgrößten Wüstenstadt nach Kairo. Es ist eines von 52 Elendsvierteln im Distrikt Carabayllo und ein drastisches Beispiel für die Probleme des Landes. Die Ministerin besucht Peru in der Karwoche in Vorbereitung auf den Gipfel der europäischen und lateinamerikanischen Staatschefs, der von 13. bis 17. Mai in Lima stattfindet. Dort soll es um den Klimawandel gehen und die sozialen Probleme, die er in armen Ländern hervorruft. Von denen konnte Wieczorek-Zeul sich bei ihrem Besuch in der Neun-Millionenstadt Lima überzeugen: „Die Umweltprobleme Perus sind gravierend. Der Bergbau hinterlässt große Schäden in der Natur. Außerdem ist das Land besonders von extremen Wetterereignissen in Folge des Klimawandels betroffen. Die Anden-Gletscher schmelzen mit hoher Geschwindigkeit, Wüsten breiten sich aus.”
Umweltschutz aber genießt bislang keine Priorität, weder in Peru noch in den meisten anderen lateinamerikanischen Ländern. Es fehlen gesetzliche Regeln und Grenzwerte, der Staat kontrolliert fast nichts, und es fehlt auch der politische Wille, etwas zu ändern. Am meisten trifft das die, die in Armut leben und an denen das enorme Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre spurlos vorübergegangen ist. Deutschland und anderen Staaten dringen deshalb darauf, dass Länder wie Peru Umweltministerien einrichten „Dieses habe ich immer wieder deutlich gemacht, vor allem auch im Gespräch mit Ministerpräsident Jorge Del Castillo”, erklärte Wieczorek-Zeul nach ihrem Treffen mit dem peruanischen Regierungschef.
Die Länder der Europäischen Union sind die wichtigsten Geldgeber für Entwicklungsprojekte in Lateinamerika. Im vergangenen Jahrzehnt hat allein die EU 420 Millionen Euro in soziale Projekte investiert. Auf den Müllbergen von Lima sieht man, dass das bei weitem nicht ausreicht.
In den Elendsvierteln von Carabayllo gibt es weder Wasser noch Kanalisation oder Strom. Wer geregelte Arbeit hat, verdient weniger als hundert Dollar im Monat. Die meisten Bewohner sind noch keine zehn Jahre alt, wenn sie zu arbeiten beginnen. Jedes dritte Kind leidet an chronischer Unterernährung. Viele Menschen dort sehen keine andere Chance, als mit Abfallsammeln ihr Geld zu verdienen. Die Müllhalde liegt anderthalb Kilometer vom Heiligen Tal entfernt. Sie genügt nicht einmal peruanischen Vorschriften. Nachts holen die Müllsammler dort Plastiksäcke ab. Sie sortieren den Inhalt auf ihren Grundstücken, waschen Plastikhandschuhe, Schläuche und Spritzen aus, verpacken sie neu und verkaufen sie. Was nicht zur Wiederverwertung taugt, verbrennen sie an Ort und Stelle.
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Außerdem wird in der Siedlung Blei aus alten Autobatterien geschmolzen und in Platten weiterverkauft. Und als wäre das noch nicht genug, klaffen zwischen den Siedlungen 50 Meter tiefe Löcher, aus denen Tonerde abgebaut wird – natürlich ohne Genehmigung.
Die Böden in Carabayllo sind mit Blei, Cadmium und Chrom verseucht. Die Kinder haben zwei- bis sechsmal so viel Blei im Blut wie die Weltgesundheitsorganisation zulässt. Auch die zwölfjährige Tochter von Julia Sayán Mendoza ist krank. „Am Anfang wussten wir gar nicht, was es ist. Kristel klagte über extreme Kopfschmerzen, blutete ständig aus der Nase, hatte Hautekzeme”, berichtet die Mutter. „Inzwischen wissen wir, dass die erhöhten Bleiwerte die Entwicklung unserer Kinder extrem schädigen.”
Das christliche Hilfswerk Misereor und lokale Organisationen unterstützen die Menschen. Der Bürgermeister hingegen schaut weg, genau wie das Gesundheits- und das Bergbauministerium. So hoffen die Menschen im Heiligen Tal, dass die Regierung ihr Versprechen wahrmacht und bald das Umweltministerium gründet, das sich ihrer annehmen soll.

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