Donnerstag, 28. Mai 2009

Der reiche Berg


Von etwas besonders Wertvollem sagt man noch heute, wenn auch in etwas veraltetem Spanisch: "Vale un Potosí." - "Das ist einen Potosí wert." Die Stadt Potosí im zentralen Hochland von Bolivien (4070 Meter) machte Geschichte wegen des "Cerro rico", des "reichen Bergs". Aus dem holten die Spanier so viel Silber heraus, dass man davon eine Brücke nach Europa hätte bauen können - und eine zweite aus den Knochen der Millionen von indigenen und schwarzen Sklaven, die in den Bergwerken des Hügels über die Jahrhunderte der spanischen Kolonialzeit den Tod fanden.
Die Kolonialzeit ist vorüber, viel Silber ist im Berg nicht mehr zu finden, und die Rohstoffpreise sind ohnehin gerade im Keller. Was immer über das heutige Potosí erzählt wird, klingt in der Regel nicht sehr heimelig. Eine arme Stadt in unwirtlichen Höhen mit kaltem Klima und einer Unzahl sozialer Konflikte. Aber wenn ich die Wahl hätte zwischen dem heißen und feuchten Santa Cruz im Tiefland und dem kalten und trockenen Potosí im Hochland - ich würde, ohne eine Sekunde zu zweifeln, nach Potosí gehen. Tatsächlich ist es nämlich eine hübsche Kleinstadt mit Kolonialarchitektur, kleinen Gassen, kolossalen Kirchen, sehr netten Bewohnern und einem wunderbaren Blick.












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