Sonntag, 10. Mai 2009

Traum vom Glück


Der größte Traum der Mittelklassemädels aus der Defensoría del Pueblo, mit denen ich regelmäßig mittagessen gehe, ist ein europäischer Mann. Meine Kollegin Ximena, mit der ich das fensterlose Zimmer im Erdgeschoß teile, hat schon einen Mann, einen bolivianischen. Auf den ist sie zurzeit aber nicht gut zu sprechen.
Der größter Traum ihres Ehemannes ist Spanien. Deshalb sitzt Ximena seit Januar mit ihrem zweijährigen Sohn Nicolas alleine in Bolivien, während er in Madrid ohne Erfolg Arbeit sucht und nicht daran denkt zurückzukehren. Ihren ersten Hochzeitstag vorige Woche verbrachte die Kollegin mit ihrem Papa und Nicolas und ohne Mann am Titicacasee.
Neuerdings redet Ximena deshalb von ihrem "Ex-Mann". "So lange er mir kein Geld schickt, braucht er sich gar nicht erst zu melden!", schimpfte sie kürzlich unter Tränen. Ich musste ihm am Telefon sagen, sie sei nicht da. Der Traum vom Glück kann auch sehr schmerzhaft sein.

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