Sonntag, 22. März 2009

Grillausflug in die Anden


Pablo hat ein Grundstück außerhalb von La Paz, wo er uns kürzlich zum Grillen einlud - im Nichts, aber mit Blick auf den Illimani.


















Sonntag, 15. März 2009

Großes Ausmisten

Nach einem Wochenende Ausmisten, kann man jetzt unser Wohnungseingangszimmer endlich wirklich als Zimmer bezeichnen - und ein Foto schießen.

Sonntag, 8. März 2009

Zwei kleine Kollas

Am Donnerstagmorgen entschied mein Chef Gonzalo, dass ich am Freitag bei einer Besprechung in Santa Cruz dabei sein sollte. Also schnell
  • die Reiseerlaubnis eingeholt,
  • den Flug reserviert,
  • in der Mittagspause zu Hause frische Wäsche und Zahnbürste gepackt,
  • pünktlich um drei zurückgewesen zu einer Besprechung im Büro, die um sieben endete,
  • mit dem Chef in die Apotheke getapert, um Mückenmittel zu kaufen,
  • im Mikro für 35 Pfennig zum Flughafen getuckert,
  • nach dem Einchecken telefonisch das Hotelzimmer reserviert,
  • eine Stunde dumm rumgesessen, weil Rückenwind mit 25 Knoten war,
  • und schließlich abends um elf bei 24 Grad in Santa Cruz angekommen.
"Puh, was für eine Hitze", sagte ich zu Gonzalo im Taxi in die Stadt. Und dabei hatte ich mich meiner Strumpfhosen schon in der Mittagspause beim Packen zu Hause entledigt und Wollpullover und Lederjacke bereits beim Landen abgelegt.
"Ja, nicht auszuhalten", antwortete er und sagte lachend: "Somos verdaderos kollingas." - "Wir sind zwei richtige kleine Hochländer."

Montag, 2. März 2009

Don Fidels Geburtstag

Wir saßen wie üblich zu fünft im "petit restaurant", einer üblen Mittagskneipe an der Straßenecke, wo es nur Pommes und zähes Fleisch in Lappersemmeln gibt und ich mir schon zweimal den Magen versaut habe. Die Kollegin Claudia erzählte aufgebracht von ihrem Wochenende.
Ihr Mann hatte sich am Samstag das Schlüsselbein gebrochen. Er wurde noch am selben Tag operiert, am Sonntag entlassen, am Montagmorgen saß er bereits wieder in der Arbeit, mit einer Unmenge von Schmerzmitteln intus und einem mittels Schlinge ruhiggestellten Arm. Jetzt hat er Angst, dass er entlassen wird, weil er nicht ordentlich einsatzfähig ist. Er arbeitet seit vergangenem November in einem Ministerium, sie bezahlen ihn erst seit Mitte Januar, Vertrag hat er immer noch keinen. "Und obendrein kostet uns die Operation einen Monatslohn", klagte Claudia. Das sind 7000 Bolivianos, umgerechnet 800 Euro.
Claudia und ihr Mann und die meisten meiner Kollegen sind scheinselbständige "Berater", keiner von ihnen krankenversichert. Auch ein Gesetz von Evo Morales` Regierung hat an dieser Realität wenig geändert. Deshalb passieren hier auch diese Dinge: Kollegin Ximena kaufte Huftensaft in der Apotheke, als ihr zweijähriger Sohn kürzlich krank war. Den Gang zum Arzt sparte sie sich. Nach einer Woche musste sie den Kleinen ins Krankenhaus bringen - er hatte inzwischen eine Lungenentzündung.
Eine private Krankenversicherung würde 40 bis 60 Dollar im Monat kosten. Das können sich die Kollegen nicht leisten. Dabei sind sie relativ gut verdienende Mittelschicht. Aber das Geld reicht immer gerade so.
Deshalb ist für die meisten eine Katastrophe, was dieser Tage im Defensor de Pueblo passiert. Da die neue Verfassung nicht mehr vom Defensor, sondern von der Defensoría del Pueblo spricht, müssen alle Amtsgeschäfte auf den neuen Namen geändert werden. Unter anderem die Konten. Das alte Konto wurde eingefroren, das neue noch nicht eröffnet, und so warteten die Kollegen umsonst auf den Anruf, dass sie sich ihren Monatsscheck in der Personalabteilung abholen könnten.
An dem Tag, als sich das Desaster herumsprach, gab es nur ein Thema: Wie nun Miete, Strom und Telefon, Wasser, Schulgebühren, die Abschlagzahlungen und der Bus in die Arbeit bezahlt werden sollten. Und nicht zu sprechen vom Geburtstag von Don Fidel, unserem Boten.
Wenn in der Abteilung jemand Geburtstag hat, wird morgens eine halbe Stunde zum Frühstück geladen. Wir sind ein Dutzen Leute und passen gerade so ins Besprechungszimmer. Es gibt für jeden einen heiße Tasse Wasser, den Teebeutel bringt man am besten selbst mit, sonst muß man ihn mit den Kollegen teilen. Daneben liegt eine Semmel. Manchmal auch nur eine halbe. Und wenn jeder das trockene Ding mit dem heißen Wasser hinuntergewürgt hat, stehen wir auf und singen das Ständchen.
Mein Kollege Hector und Don Fidel saßen etwa eine halbe Stunde bei mir und Ximena im Zimmer, um das Problem des ausstehenden Gehalts und der Kosten für das Geburtstagsfrühstück zu erörtern. Sie haben es dann irgendwie geregelt, ich weiß nicht wie, und sogar eine Luxusversion hingekriegt. Es gab für jeden eine halbe Salteña und einen Becher Limo, im Zimmer der Chefin, weil das Besprechungszimmer von einer anderen Abteilung besetzt worden war. Die Chefin macht bei diesen Runden nie mit, aber das war auch an diesem Tag kein Problem - während den Kollegen jede Minute Verspätung vom Gehalt abgezogen wird, taucht die Adjunta ohnehin nie vor elf im Büro auf.
Ja, so ist das mit dem Arbeitsalltag in Bolivien.

Montag, 23. Februar 2009

Paulinas kleine Tierserie

Paulina hatte mir im Sommer einen Jaguar gemalt. Nun gibt´s im Nationalpark Tarriquía auch Jaguare. Leider ist mir keiner vor die Linse gelaufen. Stattdessen. . .

















Sonntag, 22. Februar 2009

Auf den Spuren von Che

Als wir morgens aus unserer Hütte in die Küche schlurften, empfingen uns die drei ansonsten sehr wortkargen Parkwächter mit einem süfisanten Lächeln. "Na, haben Euch die Flöhe nachts sehr geärgert?", fragten sie und räumten freundlicherweise die Küche, die eigentlich ihr Revier war.

Um nicht auszuschweifen: Bei unserem Kurzurlaub über die Faschingsfeiertage im binationalen Naturpark Tarriquía an der argentinischen Grenze haben uns die Flöhen höflicherweise verschont, das Denguefieber fiel uns ebensowenig an, wohl aber die Zangudos, und einen Jaguar haben wir auch nicht gesehen. Die sollen dort angeblich durch die Wälder streifen.


Dafür aber entdeckten wir ein Steinhaus eine halbe Stunde flußaufwärts am Río Tarija, in dem der Che mal untergekommen sein soll. Heute ist das Gebäude ein Militärposten, und die sechs Soldaten, die dort im Nichts stationiert sind, mussten erst mal ihre Hosen anziehen, bevor sie uns empfangen konnten.


Der Empfang war trotzdem recht martialisch. Die haben so wenig zu tun, die Jungs (die Kokainschmuggler übersehen sie geflisstentlich), dass sie am Zugang auf der Wiese eine kleine Fort-Attrappe hingebastelt haben mit dem Spruch: "Dein erster Fehler wird Dein letzter sein." Im Garten hingen Schilder mit Worten wie "Loyalität", "Moral", "Mut".

Wir haben dann schnell wieder die Biege gemacht - trotz Che, sind im strömenden Regen in unsere vergammelte Basisstation zurückmarschiert und haben uns dort den mitgebrachten Wein aus Tarija schmecken lassen. Duschen mussten wir nicht, Wasser gab´s gerade keines.

Alles sehr basic. Aber unser Ziel hatten wir jedenfalls erreicht: Wir waren dem Faschingsrummel entkommen.



Freitag, 20. Februar 2009

Planung ist das halbe Leben

Zeitungsmacher denken von einem Tag auf den anderen und vielleicht bis zur nächsten Woche. Das Ergebnis hält man jeden Morgen in Händen. In der Entwicklungszusammenarbeit ist das anders.
Ohne POA geht gar nichts. Das ist der Jahresarbeitsplan eines jeden einzelnen. Der muß in eine Wirkungskette passen, die dem Konzept des Programms und das wiederum dem Strategieplan des DED entsprechen muss, der sich seinerseits in das Schwerpunktstrategiepapier einfügen sollte, das wiederum dem Länderstrategiepapier zugeordnet ist. Darüber stehen dann noch die Aktionspläne der Bundesregierung. Oder so ähnlich jedenfalls.
Irgendwo dazwischen müssen natürlich auch Resultate auftauchen. Weil die aber in der Regel nicht in Händen zu halten sind, braucht man dafür Indikatoren. Und am Ende einen Jahresbericht. Schließlich will auch das Entwicklungshilfeministerium manchmal wissen, was wir da draußen so treiben. Also einmal im Jahr zumindest.
So ein Jahresarbeitsplan ist harte Arbeit. Nach vier Stunden Sitzung in Tarija breitete sich die Blutleere in meinem Kopf aus, und nach fünf Stunden hörten wir zum Glück auf und gingen Mittagessen. Dabei waren wir bis zu den Niederungen meiner Aktivitäten bis Dezember 2009 noch gar nicht vorgedrungen.
Immerhin: Meine Defensoría-Kollegin Verena in Yacuiba, die 20 Tage im Monat in dem Nest an der argentinischen Grenze und zehn Tage in der Departamentshauptstadt Tarija arbeitet, weiß jetzt ungefähr, wo´s in den nächsten Monaten langgeht, wie man an den schönen bunten Metaplankärtchen unten sieht.
Im örtlichen Defensoría-Büro war übrigens außer der dortigen Chefin gar niemand mehr da, als wir am Nachmittag gingen. Es war Fasching. . .




Mein Kollege Hector (der überhaupt nicht so grimmig ist, wie er auf dem Bild schaut), Verenas Chef Eduardo aus Yacuiba (der auch nicht so grimmig ist, wie er auf dem Bild schaut) und unser deutscher Chef Thomas (der gar nicht grimmig schaut).


Mein Chef Gonzalo, zuständig für die Einheit für soziale Konflikte in La Paz, die aus ihm und Hector besteht.



Und Verenas grober Arbeitsplan - nur um mal zu zeigen, wie sowas aussehen kann . . .

Samstag, 7. Februar 2009

Die zweite Unabhängigkeit

Mit einem Fest in der Arbeiterstadt El Alto, an dem nach offiziellen Zahlen etwa eine Million Menschen teilnahmen, ist heute die neue Verfassung in Kraft getreten. Sie wurde vor zwei Wochen mit 61,43 Prozent der Stimmen in einer Volksabstimmung angenommen, macht Bolivien zu einem "Estado Unitario Social de Derecho Plurinacional Comunitario" und sichert den Indigenen mehr Rechte, Land und eine eigene Justiz zu. Dass es bei der Zeremonie, die den ganzen Tag dauerte, regnete, nahm Präsident Evo Morales als Zeichen dafür, dass Bolivien nun bessere Tage sehen werde. Die diesjährige Regenzeit war bisher so trocken, dass bereits darüber nachgedacht wird, das Wasser zu rationieren.

Der Konflikt um die neue Verfassung ist mit ihrer Verkündung aber noch lange nicht zu Ende, auch wenn Morales von "der zweiten Unabhängigkeit" sprach und das Referendum erstaunlich unblutig verlief. Zum einen ließen Präfekten aus dem Tiefland schon vorab wissen, dass sie die Verfassung nicht umsetzen würden. Zum anderen ist das erst der Beginn eines Staatsumbaus, der eine Vielzahl von neuen Gesetzen erfordert. Skeptiker sagen voraus, dass sich nun eine neue Front öffnen werde und sich die sozialen Bewegungen und die Regierung untereinander zerfleischen würden.

In meiner Behörde gibt es viele, die richtig darauf hoffen. Ich bin da in ein Nest von Regierungs- und MAS-Gegnern geraten. "Gibt es eigentlich auch Anhänger von Morales in der Defensoría?", fragte ich meine Kollegin Ximena diese Woche. "Ich habe gehört, dass es die vereinzelt geben soll", antwortete sie. "Aber ich kenne keinen."

Sonntag, 1. Februar 2009

Heiß, heißer, La Paz

Wer hat eigentlich behauptet, in La Paz sei es kalt? Es ist so heiß, dass wir einen Hut brauchen, wenn wir mittags in unserem Hof sitzen, und die 50er Sonnencreme. Abgesehen davon, dass wir uns dort laut Zeitung ohnehin nicht länger aufhalten sollten. Die Sonne strahlt zurzeit derart senkrecht auf die Erde, dass alles ab zehn Minuten gefährlich sein soll, stand da diese Woche zu lesen. Uns focht das nicht an. Im Gegenteil, endlich eine Gelegenheit, meine Mitbewohnerinnen abzulichten.

Gudrun

Imke

Samstag, 24. Januar 2009

Glück im Miniaturformat


Heuer kann überhaupt nichts mehr schiefgehen. Meine zwei Mitbewohnerinnen Imke und Gudrun haben auf dem Alasitas-Fest für mich eingekauft. Glück im Miniaturformat.

Auf dem Alasitas-Fest am 24. Januar wird in La Paz der Ekeko gefeiert. Der Hausgötze der Aymara steht für Fruchtbarkeit, Freude und Wohlstand und trägt schwer an den Wünschen der Menschheit. Der Zwerg mit der Andenkappe ist in der Regel mit Autos, Häusern, Visa, Lebensmitteln, Geldscheinen und Pässen behängt. Während des eine Woche lang dauernden Festes gibt es die Wünsche im Miniaturformat aber auch ohne den kleinen Götzen zu kaufen. Richtig wirkt das natürlich erst, wenn man sich die Wünsche nicht selbst erfüllt und die Miniaturen von einem Schamanen gesegnet werden. So wie in meinem Fall.

Mir brachte der Markt der Wünsche

- einen Gockel, damit ich noch einen Mann abkriege
- ein Zeugnis, das mir beste Gesundheit bescheinigt
- einen bolivianischen Pass, damit es nie Probleme mit dem Aufenthalt gibt
- einen Flugschein, damit das mit den Deutschlandurlauben immer klappt
- viele Geldscheine in Euro und Dollar
- eine Visa-Karte
- das Hauptlos der Lotterie
Und in der Küche steht seither ein kleines Häuschen - damit uns unsere Bleibe auch bleibt.

Samstag, 3. Januar 2009

Kalt, kälter, La Paz


Ich will jetzt niemanden damit langweilen, dass es kalt ist da oben in den Anden. Das habe ich ja schon geschrieben. Ich wollte nur zeigen, dass ich ein neues Möbelstück habe, einen Sessel. Und nebenbei, dass ich gewappnet bin: Strumpfhose, Jeans, Alpakadecke um die Hüften, Filzhüttenschuhe, T-Shirt, zwei Pullover, wattierte Weste, Schal, fingerlose Handschuhe - und ein warmer Tee . . .

Dienstag, 30. Dezember 2008

Zwischen den Jahren


Nicht, dass ich zwischen den Jahren nicht hätte arbeiten müssen - sogar am 24. und am 31. je einen halben Tag. Aber zum Zimmereinrichten und Fotografieren hat es dann doch noch gereicht. Und damit keiner glaubt, mein Zimmer hätte wirklich die komischen Ecken, die im Zusammenschnitt zu sehen sind, hier noch die Einzelbilder - und gleich noch unseren Hof und die Küche dazu.






Mittwoch, 24. Dezember 2008

Frohe Weihnachten!


Samstag, 20. Dezember 2008

Auf der Ikea-Abbiegespur


Prinzipiell ist ja Sommer in La Paz. Das heißt, es ist Regenzeit. Wo Regen ist, müssen Wolken sein, und die verdecken neuerdings immer wieder und immer öfter die Sonne. Und das wiederum heißt: Es ist immer wieder und immer öfter saukalt, denn es ist kalt, sobald die Sonne nicht scheint, auch wenn eigentlich Sommer ist.

Also war ich heute einkaufen: Hüttenfilzschuhe, Schafwolldecke, Alpaka-Pullover. Die Wärmflasche fürs Bett muss ich noch besorgen, das habe ich nicht mehr geschafft, weil mir in einem Laden die bolivianische Besitzerin aus dem chinesischen Horoskop die ideale Partnerschaftkonstellation herausgesucht und nebenbei einen einstündigen Plausch mit mir gehalten hat, während ich mit der dreijährigen Tochter spielen musste.

Was ich aber noch geschafft habe zu kaufen: einen festen hölzernen Lattenrost für die Matratze, die ich schon vorgefunden habe in meinem WG-Zimmer. Bin in das Viertel am Berg hinter dem Hexenmarkt, wo in jeder Straße eine Sorte Sachen angeboten wird: Elektrogeräte oder Schränke oder Spielsachen oder Sofas oder Eßzimmer oder Matratzen oder eben Betten.

Die Läden sind etwa halb so groß wie die Diele in der Schornstraße in München. Größer müssen die Geschäfte auch nicht sein, denn die Möbel, Elektrogeräte, Spielsachen und Matratzen stehen auf der Straße. Für den Regen, siehe oben, ist manchmal eine Plastikplane drübergespannt. Und vor jedem Möbelstück sitzt eine Alte und fragt: Was suchst Du?

Na ja, ich brauchte ein bisschen, bis ich gefunden habe, was ich suchte: An einer Hausecke stand der hölzerne Lattenrost in genau den Maßen, wie ich ihn wollte.

-"Verkaufst Du den auch einzeln?", fragte ich den Schreiner, der gerade an einem Bettgestell werkelte.
-"Ja, ja", antwortete er, hörte auf zu arbeiten und stellte sich zu mir vor den Lattenrost.
-"Und was kostet der?"
-"200", sagte er grinsend. Das sind etwa 23 Euro.
-"Nehm ich!"

Dem Schreiner verschlugs die Sprache. "Äh, ich rechne schnell aus, was er wirklich kostet", sagte er verdutzt und verschwand im Laden. Als er wieder auftauchte, verlangte er 350. Es war der Lattenrost für das Bett, an dem er gerade werkelte.

Die Verhandlungen waren aber nicht wirklich schwierig im Vergleich zu der Anstrengung, bei aufziehenden Regenwolken am Spätnachmittag ein Taxi mit Dachgepäckständer zu finden. Das Viertel besteht zwar nur aus Taxis im Stau. Aber die meisten Autos haben entweder schon eine Schrankwand auf das Dach geschnallt oder bleiben wegen eines Lattenrostes gar nicht erst stehen. Und da stand ich dann. Fast eine Stunde. Und dann stand ich da nochmal: im Taxi.

Letztendlich auch nicht anders als auf der Ikea-Abbiegespur.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Der Mann vor meinem Büro

Vor meinem Büro sitzt einer, der seit vier Jahren versucht, sein Recht durchzusetzen. Aber die Mühlen hier mahlen so langsam, dass sein Fall auf dem Weg durch die Justiz verjährt ist. Inzwischen beschäftigt sich das Parlament mit der Sache. Aber auch das arbeitet nicht schneller – und entschwindet außerdem gerade in die Weihnachtspause. Aus Verzweiflung ist der Mann nun in den Hungerstreik getreten. In der Defensoría. Im Erdgeschoss. Vor meinem Büro.
Mein Kollege Hector, der im dritten Stock sitzt, betreut den Fall. Er weiß glücklicherweise, was man in solchen Fällen macht. Er hat den Arzt geholt. Mehr kann leider auch die Defensoría im Moment nicht für diesen Menschen tun.
Hector hat Erfahrung mit solchen Fällen. In Cochabamba sind vor zwei Wochen mehrere Polizisten in den Hungerstreik getreten. Ein Konflikt, der schon länger schwelt. Dabei geht es um korrekte Besoldung, Aufstieg, ungerechtfertigte Entlassungen. Einer der Polizisten hatte sich schon von Frau und Kindern verabschiedet, den Strick an der Decke befestigt und gedroht, sich umzubringen, wenn nicht bis vergangenen Donnerstag, 17 Uhr, eine Lösung gefunden werde.
Hector erzählte, wie er den Polizisten überredete, das sein zu lassen und nach Weihnachten weiterzuhungern. Dass der Mann jetzt nicht mehr den Mut finde, sich umzubringen. Und nach einer Pause sagte er dann trocken: “Psychologisch sehr interessant.”

Sonntag, 14. Dezember 2008

Ein neues Zuhause

Endlich der Umzug. Im Gegensatz zu Lima wohne ich hier jetzt sehr ruhig. Dafür allerdings ohne Blick. Am Berg. In einer Dreier-WG in einem zweistöckigen Haus. In einem Zimmer mit Internetanschluss. Und wenn ich Zeit habe, mache ich mal Fotos . . .

Freitag, 12. Dezember 2008

Friedensarbeit praktisch

Bolivien steht - mal wieder - ein hartes Jahr bevor. Am 25. Januar darf das Volk über die neue Verfassung abstimmen, und die Tieflandpräfekten machen bereits ordentlich Stimmung gegen den Text und gegen den Präsidenten Evo Morales. Außerdem finden, wenn die Verfassung durchgeht, in einem Jahr schon wieder Parlaments- und Präsidentenwahlen statt. Und dann müssen da etliche hohe Posten neu besetzt werden. Zum Beispiel der des Defensors, dessen Amtszeit jetzt am 18. Dezember enden wird. Über eine Nachfolge hat noch niemand nachgedacht.
Es ist vorherzusehen, dass sich die Polarisierung zwischen Hoch- und Tiefland, zwischen alten Eliten und neuen sozialen Bewegungen, zwischen Mestizen und Indigenen, zwischen Regierung und Regionalpräfekten nach dem Referendum zuspitzen wird. Egal, wie es ausgeht. Deshalb haben sich nun einige Institutionen zu einer "praktischen Gemeinschaft" zusammengeschlossen und bei einem viertägigen Treffen in Santa Cruz darüber nachgedacht, wie sie verhindern können, dass diese Polarisierung wieder einmal mit Gewalt ausgetragen wird. Sie hatten sich hohen und kompetenten Besuch eingeladen: den US-amerikanischen Friedensforscher und Konflikt-Guru John Paul Lederach.
Der hat sich in den achtziger Jahren einen Namen gemacht, als er zwischen den Sandinisten und den Misquitos und anderen indigenen Völkern von der Karibikküste Nicaraguas vermittelte. Vier Jahre lang dauerte der Vorbereitungsprozess, bis sich die beiden Seiten schließlich an einen Tisch setzten und direkt miteinander sprachen. In perfektem Spanisch, mit viel menschlicher Wärme und im Plauderton erzählte Lederach von seinen Erfahrungen und erklärte anhand der Anekdoten nebenbei seine Theorien - in denen es wie immer im Fachgebiet nur so wimmelt von Pyramiden, Dreiecken, Zyklen und anderen geometrischen Figuren.
Bei der Theorie hielt sich der Gast aber nicht lange auf. Zum einen traf sich Lederach zwei Tage lang mit den Akteuren des nationalen bolivianischen Konflikts. Natürlich mit jeder Gruppe einzeln: Er hörte sich die Geschichten derer an, die auf Seiten der Präfektur und des Bürgerkomitees von Santa Cruz stehen, und er sprach mit denen aus den sozialen Bewegungen, die auf Seiten der Regierung sind. Dann traf er sich mit mehreren Gruppen, die um den Konflikt kreisen und einen etwas analytischeren Blick darauf haben. Und zu guter Letzt brachte er die einladendenden Institutionen soweit, dass sie sich darauf einigten, zusammen daran zu arbeiten, dass ein Dialogprozess im Land in Gang kommt, auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene, zu verschiedenen Themen und mit verschiedenen Gruppen.
Ergebnisse wird das so schnell nicht zeitigen. Das nächste Treffen findet im März statt. Ohne den Guru. Aber immerhin: Ein Anfang ist gemacht.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Südlich des Brenner


Von La Paz nach Cochabamba sind es 220 Kilometer. Im Bus brauchte ich für die kurvige Strecke durch die Andenhochebene und karge Berge sieben Stunden. Aber als ich kurz vor dem Ziel aus dem Tiefschlaf erwachte und noch ganz reiselethargisch aus dem Fenster blickte, erfasste mich mich sofort eine dieser euphorischen Stimmungen, bei denen ich immer nicht weiß, ob sie von der Realität an sich oder nur vom Höhenunterschied rühren. Ich fühlte mich jedenfalls, als hätte ich gerade den Brenner überquert und würde auf der Höhe des Gardasees aus dem Fenster schauen.

Cochabamba liegt auf 2500 Metern in einem breiten fruchtbaren hügeligen Tal inmmitten von Fünftausendern. Es hat einen idyllischen Hauptplatz mit einer italienischen Espressobar, die aus den 60er Jahren stammen könnte und wo ich gerne länger geblieben wäre, ein paar koloniale Straßenzüge, viele gemütliche Kneipen, hervorragendes Essen, ein mildes Klima und eine 40 Meter hohe Christusstatue auf einem Hügel namens Petersberg, die noch höher ist als das Vorbild auf dem Corcovado in Rio de Janeiro.

Da könnte man es durchaus länger aushalten, dachte ich mir, als ich nach anderthalb Tagen Arbeit in der Stadt nach Santa Cruz weiterflog. Keine Frage: ein idealer Ort für Besucher.




Samstag, 6. Dezember 2008

Krampus zu Besuch



"American Visa" heißt ein bolivianischer Film über einen Lehrer aus der Provinz, der unbedingt in die USA will. Der Typ kommt natürlich nicht weit. Schon bei seiner Ankunft in La Paz, auf dem Weg ins Hotel, steht er im Stau - wegen eines Trachtenumzugs. "Hier macht doch jeder, was er will", schimpft er entnervt. Der Taxifahrer reagiert sofort: Er schmeisst ihn aus dem Auto.

An diese Szene musste ich denken, als ich am Nikolaustag durch die Altstadt und direkt in einen Umzug lief. Ich war glücklicherweise zu Fuß unterwegs. Und keine Ahnung, ob das ein Trachten-, Masken- oder Nikolausumzug war. Hier wird so viel gefeiert - da verliert man leicht den Überblick.