Samstag, 30. Mai 2009

Im Berg des Teufels

Bolivianische Bergarbeiter sind ein sehr spezielles Völkchen. Sie sind gut organisiert, hart gesottern, arm, stolz auf ihre harte Arbeit und pflegen Bräuche, die europäischen Ohren sehr fremd, zart Besaiteten sogar abstoßend erscheinen mögen.

Da ist zum einen der Tío. Die Teufelsgestalt mit Hörnern am Kopf und einem großen Geschlechtsteil zwischen den Beinen findet sich in jedem Bergwerk. Auch in Candelaria Baja am Cerro Rico von Potosí, durch das mich Oscar führt, steht sie in einer Nische, die einige hundert Meter nach dem Eingang durch einen hüfthohen Gang zu erreichen ist. Wie es sich gehört, zündet ich dort eine Zigarette an und stecke sie der Tonfigur zwischen die Lippen, verstreue über ihr ein para Coca-Blätter und trinke mit meinem Führer den hiesigen Traubenschnaps Singani, hinterlasse einen Becher davon und verteile ein paar Tropfen über der Tonfigur, während Oscar mit ihr redet, als würde sie leben.


Der Tío des Bergwerks Candelaria Baja am Cerro Rico von Potosí

Der Tío beherrscht die Welt hinter dem Eingang zum Bergwerk, in der es keinen Gott mehr gibt. Wenn ihn die Bergarbeiter achten, sorgt er dafür, dass ihnen keine Unfälle passieren und dass sie ordentliche Adern entdecken. Er gehört zur Pachamama, zur Mutter Erde, wie der Ehemann und hat mit dem Teufel eigentlich gar nichts zu tun, auch wenn er so aussieht – aber daran sind die Spanier schuld, wie Oscar sagt.

Der 33-Jährige arbeitete fünf Jahre in Candelaria Baja, bevor er begann, Leute wie mich durch die unterirdischen Gänge zu führen, die zum Teil noch aus der Kolonialzeit stammen und oft genug nur reichen, um auf dem Bauch durchzurutschen. Platzangst jedenfalls sollte man nicht haben, wenn man bis in die dritte Galerie hinabsteigt, 70 Meter in die Tiefe und weit in den Bauch des Bergs hinein, wo es richtig heiß ist. Hypochonder sollte man auch nicht sein: Der Staub und die giftigen Dämpfe sind alles andere als gesund. Nach zehn bis 15 Jahren unter Tage ist ein Bergarbeiter normalerweise todkrank.

Nicht nur die Gänge von Candelaria Baja stammen zum Teil noch aus der Kolonialzeit. Die Technik, mit der hinterher das Silber mittels Chemikalien aus dem Stein gelöst wird, wurde schon im vorigen Jahrhundert verwandt, und die Werkzeuge, mit denen die Männer unter Tage arbeiten, sind ebenfalls aus den Zeiten anderer Generationen. Auf dem Bergarbeitermarkt sind sie zu sehen: Dynamitstangen, Karbitlampen, Meißel, handbewegte Loren. Dort gibt es aber auch die Coca-Blätter und den 96-prozentigen Alkohol zu kaufen, der zum Trinken mit Wasser gemischt wird.


Ein Modell des Cerro Rico.



Chemische Behandlung des Gesteins zur Lösung des Silbers.



Silber in Pulver am Ende des Prozesses.

Alkohol und Coca-Blätter sind an diesem Samstag besonders wichtig, denn heute wird nicht gearbeitet, sondern gefeiert. Es ist der Tag, dem Tío und der Pachamama Dank zu sagen, ihren Hunger zu stillen und um Glück fürs nächste Jahr zu bitten. Schon seit dem Morgen verkaufen die Bauern aus der Umgebung auf einer Straße in der Nähe des Bergarbeitermarktes Lamas.


Auf dem Lamamarkt in Potosí.




Die Truppe von Candelaria Baja hat vier Lamas an den Eingang ihres Stollens gebracht und ist schon ordentlich betrunken. Plötzlich stellen die Männer den Schnaps beiseite, packen eines der Tiere, legen es seitlich auf den Boden, halten Kopf und Beine fest, drücken den Körper nieder, stopfen ihm Coca-Blätter in den Mund und träufeln Alkohol hinterher. Dann sticht einer zu und schneidet.
Das Blut läuft aus der offenen Kehle in eine Schüssel. Der Chef der Truppe nimmt die Schüssel und schleudert das Lamablut gegen den Eingang des Bergwerks. Viermal geht das so, nicht gerade zielgenau, auch die Arbeiter kiegen was ab. Mit der letzten Schüssel geht der Chef durch die Reihen, taucht seine Hand ein und schmiert das Blut auf die Wangen der Männer. Auch das soll Glück bringen.
Alles ist blutbespritzt, und die vier Lamas liegen tot vor dem Stolleneingang auf der Erde. Die Männer häuten die Tiere und schneiden die Innereien heraus, trennen Kopf und Füße ab und legen sie so zurecht, als würde das Lama noch leben. Andere heben eine Grube vor dem Eingang aus, darin werden später die Reste begraben – für Pachamama und den Tío. Währenddessen haben die Frauen ein Feuer entfacht, auf dem sie das Fleisch braten. Aus der Nähe sind Dynamitexplosionen zu hören, die Erde zittert ein bisschen.
Am Cerro Rico arbeiten ein privates Unternehmen und 43 Bergarbeiterkooperativen. Die Kooperativen betreiben jeweils mehrere Stollen. Manchmal treffen sich die Arbeiter verschiedener Kooperativen unter Tage, dann gibt es Ärger. Der Berg ist nach jahrhundertelanger Ausbeutung löchriger als ein Schweizer Käse und kann jeden Moment in sich zusammenbrechen - das wäre dann das traurige Ende eines traurigen Symbols für Kolonialismus und Kapitalismus, Ausbeutung und Armut.

Mitten im Ritual zu Ehren von Pachamama, das die Bergarbeiter unter Tage beschützen und ordentlich Silber bringen soll.


Nach der Lama-Opferung vor dem Eingang des Bergwerks.



Mit soviel Lamablut im Gesicht sollte es am Glück nicht mehr fehlen...


Freitag, 29. Mai 2009

Schlaflos in Potosí

Ich hatte nicht nachgeschaut im Führer und auch nicht gefragt vor der Reise und nur die Vorstellung, Potosí müsste sehr viel höher liegen als La Paz und sehr viel kälter sein. Zum ersten Mal überhaupt kaufte ich Pillen gegen die Höhenkrankheit. Steckte alle meine Strumpfhosen und die Alpakasocken in den Koffer, zog meinen Daunenanorak und die dicken Winterschuhe an und hoffte, dass das Hotel Heizung haben würde.

Die Pillen brauchte ich gar nicht, aber die erste Nacht im Hotel "Cerro Rico Velasco" war trotzdem die Hölle. Ich schaffte es nicht, die Heizung auszuschalten, und konnte wegen der Wärme die ganze Nacht nicht schlafen. Mein Kollege Héctor saß anderntags wie ich mit tiefen Augenringen am Frühstückstisch. Als wir uns auf den Weg in das lokale Büro der Defensoría del Pueblo machten, waren wir beide froh, aus der ungewohnten Hotelhitze in die kalte, klare Morgenluft zu treten und den eisigen Winterwind an den Backen zu spüren.
Und ich schwor mir: Nie wieder Hotel mit Heizung!

Donnerstag, 28. Mai 2009

Der reiche Berg


Von etwas besonders Wertvollem sagt man noch heute, wenn auch in etwas veraltetem Spanisch: "Vale un Potosí." - "Das ist einen Potosí wert." Die Stadt Potosí im zentralen Hochland von Bolivien (4070 Meter) machte Geschichte wegen des "Cerro rico", des "reichen Bergs". Aus dem holten die Spanier so viel Silber heraus, dass man davon eine Brücke nach Europa hätte bauen können - und eine zweite aus den Knochen der Millionen von indigenen und schwarzen Sklaven, die in den Bergwerken des Hügels über die Jahrhunderte der spanischen Kolonialzeit den Tod fanden.
Die Kolonialzeit ist vorüber, viel Silber ist im Berg nicht mehr zu finden, und die Rohstoffpreise sind ohnehin gerade im Keller. Was immer über das heutige Potosí erzählt wird, klingt in der Regel nicht sehr heimelig. Eine arme Stadt in unwirtlichen Höhen mit kaltem Klima und einer Unzahl sozialer Konflikte. Aber wenn ich die Wahl hätte zwischen dem heißen und feuchten Santa Cruz im Tiefland und dem kalten und trockenen Potosí im Hochland - ich würde, ohne eine Sekunde zu zweifeln, nach Potosí gehen. Tatsächlich ist es nämlich eine hübsche Kleinstadt mit Kolonialarchitektur, kleinen Gassen, kolossalen Kirchen, sehr netten Bewohnern und einem wunderbaren Blick.












Sonntag, 10. Mai 2009

Traum vom Glück


Der größte Traum der Mittelklassemädels aus der Defensoría del Pueblo, mit denen ich regelmäßig mittagessen gehe, ist ein europäischer Mann. Meine Kollegin Ximena, mit der ich das fensterlose Zimmer im Erdgeschoß teile, hat schon einen Mann, einen bolivianischen. Auf den ist sie zurzeit aber nicht gut zu sprechen.
Der größter Traum ihres Ehemannes ist Spanien. Deshalb sitzt Ximena seit Januar mit ihrem zweijährigen Sohn Nicolas alleine in Bolivien, während er in Madrid ohne Erfolg Arbeit sucht und nicht daran denkt zurückzukehren. Ihren ersten Hochzeitstag vorige Woche verbrachte die Kollegin mit ihrem Papa und Nicolas und ohne Mann am Titicacasee.
Neuerdings redet Ximena deshalb von ihrem "Ex-Mann". "So lange er mir kein Geld schickt, braucht er sich gar nicht erst zu melden!", schimpfte sie kürzlich unter Tränen. Ich musste ihm am Telefon sagen, sie sei nicht da. Der Traum vom Glück kann auch sehr schmerzhaft sein.

Samstag, 18. April 2009

Traurige Tropen

In Trinidad ist es heiß und feucht, und es stinkt. Die Hauptstadt des Departaments Beni mit 86.000 Einwohnern hat kein Abwassersystem, stattdessen überall offene Kanäle am Straßenrand, die zur Regenzeit überlaufen. Taxis gibt es nur in Form von Motorrädern. Die Straßen haben entweder keinen Asphalt oder tiefe Schlaglöcher. Im Zentrum der Stadt sind sie von Arkaden gesäumt.

Hier im Tiefland von Bolivien, das zum Amazonasbecken gehört und schon Richtung Brasilien liegt, ist es tropisch in jeder Hinsicht. „Wenn sie jemanden nicht mögen, erschießen sie ihn. Wenn sie ihn nicht erschießen, dann weil sie nicht mögen“, sagt die Repräsentantin der Defensoría del Pueblo in Trinidad. Sie hießt Selva und ist eine ältere Dame im schwarzen Etuitkleid, die aus einer alteingesessenen Großgrundbesitzerfamilie stammt und sich Zeit ihres Lebens für die Rechte von Indigenen eingesetzt hat.

Dass mich meine Chefs Gonzalo und Hector mitgenommen haben zu einem 24-stündigen Ausflug in die Provinzhauptstadt, ist als Vertrauensbeweis zu betrachten. Vor anderthalb Jahren haben sie mit anderen Kollegen eine Untersuchung auf den Landgütern in der Region durchgeführt. Es gibt viele haarsträubende Abenteuergeschichten von dieser Reise. Herausgekommen aber ist eine Studie über die Menschenrechtssituation der Arbeiter, die den Großgrundbesitzern überhaupt nicht gefällt. Nun geht es darum zu überprüfen, ob die staatlichen Institutionen die Empfehlungen an sie umsetzen.

Beni ist die Viehzuchtregion Boliviens. Die Haciendas sind wegen des Regens ein halbes Jahr lang nur mit der Cessna zu erreichen. Das andere halbe Jahr über ist jeder Weg immer noch eine lange Reise. Jede Kuh hat drei Hektar, „mehr als ein Indigener“, wie Präsident Evo Morales bei Amtsantritt richtig anmerkte. Es erübrigt sich zu erklären, dass die Großgrundbesitzer des Beni nicht zu seinen Anhängern gehören.

Was die Mitarbeiter der Defensoría bei ihrer dreiwöchigen Erkundigung in den hintersten Ecken des Beni vorfanden, ist zwar nicht zu vergleichen mit den Sklavenverhältnissen im Chaco. Aber es geht doch um sklavenähnliche Verhältnisse. Die Arbeiter verdienen zuviel zum Sterben und zu wenig zum Leben. Sie sind nicht kranken- oder rentenversichert, und einen Teil ihres Hungerlohns erhalten sie in Naturalien, weil es keine Geschäfte gibt auf den Gütern, genausowenig wie Schulen oder Krankenhäuser. Ihre Frauen und Kinder müssen unentgeltlich mitarbeiten. Und die Lohnvorauszahlungen verschulden die Arbeiter dermaßen, dass sie nicht die Wahl des Arbeitsplatzes haben – sie müssen ja erstmal ihre Schulden abarbeiten.

Das wäre erstmal das dürre Faktengerüst, das Selva mit kabarettreifen Erzählungen zu ergänzen vermag. Darüber, wer bei welcher der jüngsten Abstimmungen und Wahlen wo mit Waffen auftauchte und dafür sorgte, dass das Ergebnis genehm ausfällt. Dass in Trinidad die graue Eminenz im Stadtrat die zwei Kolleginnen im Gremium regelmäßig drei verschiedene Versionen des Protokolls unterzeichnen lässt. Zwei davon nimmt er an sich – und holt sie raus, wenn die Gefahr besteht, dass die Damen nicht nach seinen Anweisungen tanzen. Dass eben dieser Stadtrat, als er seine Macht schwinden sah, anonyme Briefe verteilte, in denen er die intimen Fehltritte einer ganzen Reihe von Ehefrauen und Männern denunzierte.

Klingt wie bayerisches Bauerntheater und ist doch bolivianische Realität.

Die zweite Hälfte des Tages verbrachten wir im Gefängnis von Trinidad, wo die Häftlinge gerade in Hungerstreik getreten waren: weil es kein Trinkwasser gibt und keine Medikamente, weil das Stadtkrankenhaus die Gefangenen nicht behandelt, so lange die Gefängnisverwaltung nicht die dort angehäuften Schulden begleicht. Weil es eng ist – und überhaupt.

In einem engen Kabuff mit hölzernen Schulbänken und einem lärmenden Ventilator vermittelte Gonzalo erfolgreich. Anschließend führte uns der Hälftingssprecher durch die Anlage, in der knapp 300 Männer sitzen - zusammen mit ihren mehr als hundert Kindern und etwa 200 Ehefrauen, die untertags draußen arbeiten und abends zu ihren eingesperrten Männern zurückkehren.


Das Gefängnis von außen


und innen


Der Haupthof mit den Familienschlafkabinen, die per Leiter zu erreichen sind

Die Lederwerkstatt

Die Küche


Der Bunker

Die Apotheke

Selva mit einem Häftling


Der Lederwarenverkauf am Gefängniseingang



Hector



Gonzalo




Und nochmal Selva

Donnerstag, 9. April 2009

Der ganz normale Wahnsinn

Am Gründonnerstag bin ich schon um acht im Büro. "Horario continuo" hatte die Regierung für alle öffentlichen Angestellten im Land verhängt: eine halbe Stunde früher anfangen und um drei ins Osterwochenende gehen. Ich freue mich tierisch.

Um zehn nach acht steht mein Chef Gonzalo im Wintermantel in der Tür meiner unwirtlichen Höhle und winkt mit dem Arm: "Wir gehen das gleich durch, ich muss nur vorher zum Arzt." Begrüßungsküsschen auf die Backe, er verschwindet.

Was er mit mir durchgehen will: Mit der widerwilligen Hilfe der Regionalbüros hatte ich für die zwei letzten Märzwochen eine detaillierte Liste aller Konflikte im Land zusammengestellt. Monitoring nennt sich das.

Tatsächlich hat es in dieser Zeit 110 Konflikte gegeben, in denen ein Akteur tätig geworden war. Dorfbewohner stürmten Bergwerke und Rathäuser und setzten Bürgermeister ab, eine wütende Menge warf einen Ex-Präsidenten aus seinem Haus und dem Dorf, Studenten entführten einen Unidekan, es gab Protestmärsche, Streiks und Hungerstreiks, Demonstrationen mit nacktem Oberkörper, Tränengas. Ach, und vom Wahlgesetz wollen wir gar nicht sprechen: Es wird zurzeit im Parlament verhandelt, und Präsident Evo ist wegen des Streits darum gerade in Hungerstreik getreten.

Um elf ist mein Chef nicht wieder aufgetaucht, aber ich bin zu einer Not-Besprechung der "Comunidad de Practica y Dialogo" gerufen worden, einem Bündnis von Organisationen, die in der Konflikttransformation tätig sind. Mit dem Kollegen Hector und der Defensora höchstselbst hören wir uns die Analyse des Konflikts um das Wahlgesetz an. Von Bürgerkrieg ist die Rede. Totale Übertreibung.

Es geht um die Frage: Soll sich die Comunidad de Practica einschalten in diesen Konflikt? Man redet über lang-, mittel- und kurzfristige Aktionen, einigt sich auf dies und das, da verschwinden Hector und die Defensora eilig unter Entschuldigungen. Die Auto-Importeure kämpfen seit Dezember gegen ein Gesetz, das ihnen die Einfuhr von alten Schrottkarren verbietet, bei der heutigen Demo gab´s mal wieder Tränengas und Verletzte.

Muss also plötzlich Defensoría del Pueblo und DED vertreten und leider sagen, dass die Deutschen ohne Einwilligung der Botschaft überhaupt nichts unterschreiben können. Kein Problem, bis 15 Uhr bekämen wir Zeit, um den geplanten öffentlichen Aufruf zu Verhandlungen und friedlichem Verhalten abzustimmen.

Raus aus der Sitzung, im Taxi zur Defensoría, hoch in den dritten Stock zu Gonzalo.

- "Doc, wir können jetzt die Konfliktliste durchgehen."
- "Jetzt kreuzt sich alles, habe gleich Verhandlung mit den Studenten, die die Uni besetzt haben."
- "Solange die nicht da sind, können wir ja schon mal anfangen, oder?"
- "Ok, bei Dir unten."

Gonzalos Telefon klingelt. "Ja ja, sofort rede ich mit der Kollegin." Ich verfolge den Chef durch den gesamten dritten Stock, damit er nicht vergisst, dass er mit mir arbeiten will. Das schaffen wir dann auch. Gonzalo greift sich als erstes lachend die Kekse auf meinem Schreibtisch, er ist auf Diät, und los geht´s.

Nachdem wir die Hälfte geschafft haben, unterbricht uns Kollegin Ximena.

- „Doc, oben haben sie schon angefangen."
- "Sag Bescheid, wenn Sie anfangen", antwortet der Chef.
- "Nein, Doc. Die haben schon angefangen."
- "Uggh, wenn wir da nicht hingehen, sind sie wieder sauer."

Ich schaue auf die Uhr und ahne zum ersten Mal, dass das mit dem Dienstschluss um drei nichts wird.

Oben im Besprechungsraum sitzt unser Bote Don Fidel mit den restlichen acht Frauen der Abteilung. Sie lesen aus der Bibel. "Unseren Richter finden wir im Jenseits", sagt die feministische Kollegin, die für das Thema Frauen zuständig ist. Ich drifte weg und tauche erst wieder auf, als das Gründonnerstagsessen aufgetischt wird: Maiskolben, Kartoffeln und ein Sud aus Zwiebeln, Käse und Bohnen.

Auch Hector ist zurück. Er hat die verletzten Auto-Importeure ins Krankenhaus gebracht, nun schaufelt er schweigend das Mittagessen in sich rein, das eine der Kolleginnen wegen Ostern für die Abteilung gekocht hat. Die Sekretärin ruft Gonzalo raus, im Nachbarzimmer sitzen die Anführer der Auto-Importeure. Hector weist die Sicherheitsleute im Erdgeschoss an, die Türen zu versperren, damit die Demonstranten unten auf der Straße das Gebäude nicht stürmen können.

Da fällt mir die deutsche Botschaft wieder ein. Artiges Dankesagen bei den Frauen, runter ins Erdgeschoss. Ich hab kein Internet, der DED-Chef keinen Handyempfang. Wälze die Abstimmung auf meinen deutschen Koordinator in Sta Cruz ab, den ich beim Mittagessen störe.

Es ist zehn vor drei. Ximena packt zusammen, im Gang hört man die Kollegen, die ins Wochenende gehen. Gonzalo kommt rein.

- „Ich kann jetzt nicht“, sagt er. „Die Studenten sind oben.“ Er sieht mein Gesicht.
- „Pläne für den Nachmittag?“
- „Mmmh.“
- „Bis wann?“
- „Halb sechs.“
- „Komm um halb sechs wieder, bis dahin bin ich auch fertig. Ruf an, sobald Du wieder da bist.“

Das Handy piepst. Meine Verabredung ist geplatzt. Gehe auf die Straße, wo sich immer noch die Auto-Importeure drängeln, eine Zigarette rauchen, schreibe meinen freien Nachmittag ab und setze mich wieder an die Arbeit. Um sechs drucke ich die Reinfassung aus. Im dritten Stock verhandeln sie immer noch wegen der Studenten. Ich gehe rein, lege Gonzalo die 28 Seiten mit einem Zettel hin: „Habe den Nachmittag doch gearbeitet und gehe jetzt. Schönes Osterwochenende.“

Als ich auf den Aufzug warte, löst sich die Besprechung auf. Ich kehre um. Höre den Chef auf dem Klo telefonieren. Er verhandelt mit einer seiner Ex-Frauen den Unterhalt einiger seiner fünf Kinder. Kommt raus, sagt: „Nicht mal in Ruhe pinkeln kann man.“ Lacht. Wird ernst.

- „Ja, dann setzen wir uns jetzt hin und schreiben noch die Analyse.“
- „Gonzalo?"
- „Ja?"
- „Es ist sechs!“
- „Mmmmh. Montagmorgen, ganz in der Früh!“
- „Alles klar, bis Montag dann.“

Packe zusammen und renne die 20 de Octubre runter ins Fitnesscenter. Die Sportstunde fällt aus. Der Trainer fand keinen Bus, außerdem hat er Geburtstag. Gehe ein Bier trinken. Und sage zu Gudrun: „Weißt Du, das ist der erste Job seit 15 Jahren, der mir Spaß macht.“

Dienstag, 7. April 2009

Gerechtigkeit

Im Jahr 1991 erschossen die Mitglieder des geheimen Todesschwadrons "Colina" auf einem Fest in Lima 15 Menschen, im Jahr darauf brachten sie einen Universitätsprofessor und neun seiner Studenten um. Dafür muss Perus Ex-Präsident jetzt 25 Jahre hinter Gitter und etwa 90.000 Dollar Enschädigung an die Hinterbliebenen zahlen. Ein Gericht sprach ihn heute nach einem 15-monatigem Prozess schuldig, für die Morde verantwortlich zu sein. Ein Festtag für die Gerechtigkeit!!

Freitag, 3. April 2009

Brot oder Museum

Nach einem Krieg steht jede Gemeinschaft vor der Frage: Erinnerung oder Vergessen? Als Salomón Lerner diesen Satz sagte, war er davon überzeugt, dass sich Peru für die Erinnerung und damit für die Wahrheit entschieden hatte. Nach 20 Jahren Krieg gegen die maoistische Terrorgruppe Leuchtender Pfad und die Guerillabewegung MRTA hatte das südamerikanische Land 2001 eine Wahrheits- und Versöhnungskommission eingerichtet und den Philosophieprofessor Lerner zum Präsidenten gemacht.
Doch welche Erinnerung ist Wahrheit? Als die Kommission zwei Jahre später ihren Bericht vorstellte, war der Bürgerkrieg zu Ende, aber der Kampf setzte sich fort. Seither geht es um die Deutungshoheit über die Ereignisse. Auf der einen Seite finden sich die Hauptstadteliten, auf der anderen die Landbevölkerung. In der Regel sind die einen weiß, die anderen sind es nicht. Die einen haben die Macht, die anderen haben sie nicht. Und so soll es – nach dem Willen der einen – am besten auch bleiben.
Deutschland will nun im Rahmen der Entwicklungshilfe für das südamerikanische Land den Aufbau und Unterhalt eines Gedenkmuseums für die Opfer des Bürgerkriegs mit zwei Millionen Dollar unterstützen. Das Angebot verärgerte den peruanischen Staatspräsidenten Alan García. Seinen Widerstand brach erst in dieser Woche Mario Vargas Llosa. Während andere sagten, das Volk brauche Brot statt Museen, hatte der Schriftsteller dem Präsidenten vorgeworfen, dumm, ungebildet und ignorant zu sein. Nun wird er das Komitee leiten, das die Verantwortung für Design und Bau des Hauses übernehmen soll.
Lerner schmerzte an der anfänglichen Ablehnung vor allem die Geringschätzung der Opfer. Unter seiner Leitung war die Wahrheitskommission zu dem Schluss gelangt, dass während des Bürgerkriegs fast 70 000 Menschen ums Leben gekommen waren. Mehr als die Hälfte von ihnen wurde von Anhängern des Leuchtenden Pfads ermordet, ein geringer Teil wird der MRTA angelastet, und für 42 Prozent der Verbrechen sind das Militär und die Polizei verantwortlich. Die meisten Opfer waren quechuasprachige Bauern aus den Hochanden. Deren Sterben blieb in der Hauptstadt lange so unbemerkt wie zuvor ihr Leben.
In Lima fiel der Krieg erst auf, als wegen der Anschläge auf Hochspannungsmasten immer öfter der Strom ausfiel, sich Entführungen häuften, eine Bombe hochging und Flüchtlinge in die Stadt drängten. Dass Soldaten ganze Andendörfer massakrierten und Todesschwadronen Oppositionelle umbrachten, gilt heute noch vielen als verzeihlich. „Die Wahrheitskommission muss endlich verstehen, dass ihre Erinnerung nicht unsere ist”, schreibt ein Peruaner im Internet und wettert im selben Atemzug gegen den in Berlin ausgezeichneten Film „La Teta Asustada” der peruanischen Regisseurin Claudia Llosa, der diese Gewalt thematisiert.
Die Helden dieser Peruaner sind die Soldaten und Polizisten und der frühere Staatspräsident Alberto Fujimori, der sich den Sieg über den Terrorismus zuschreibt. Doch Fujimori steht wegen seiner Anti-Terror-Politik gerade vor Gericht, Mitte April wird das Urteil erwartet. Während der Staatsanwalt wegen Massakern, Korruption und anderer Delikte 30 Jahre Haft fordert, erklärt sich der japanischstämmige „Chinese”, so sein Spitzname, für unschuldig. Tochter Keiko hofft auf einen Sieg bei den nächsten Präsidentenwahlen.
Erstaunlich, dass es überhaupt zu diesem Prozess gekommen ist. Während die Anführer der Terrorgruppen fast alle in Haft sind, wurden kaum Täter aus Militär und Polizei verurteilt. Im Gegenteil: Im Herbst legte die Regierungspartei ein Amnestiegesetz für Soldaten und Polizisten vor, das immer noch nicht vom Tisch ist. Auch dem jetzigen Präsidenten Alan García wird vorgeworfen, während seiner ersten Amtszeit 1985 bis 1990 politisch für Gräueltaten der Streitkräfte verantwortlich gewesen zu sein – was seine Renitenz erklären mag.
Die Opfer aber warten nicht nur auf Gerechtigkeit, sondern auch auf Wahrheit und Entschädigung. Noch immer suchen Menschen nach ihren Angehörigen, werden Massengräber ausgehoben. Die Aufstellung des Opferverzeichnisses kommt nicht voran. Das mag auch daran liegen, dass in der zuständigen Kommission das Militär vertreten ist. Jeder Fall wird einzeln überprüft, um zu verhindern, dass Angehörige von Terroristen Entschädigung erhalten. Alan García schlug sogar vor, Ex-Terroristen nach der Haftentlassung öffentlich an den Pranger zu stellen. Als Rechtfertigung galten ihm die etwa 300 Bewaffneten, die heute noch im Namen des Leuchtenden Pfades in den Kokaanbaugebieten dreier Flüsse operieren.
Die Aufarbeitung der Gewalt stockt, und die Regierung nimmt auch andere Empfehlungen der Wahrheitskommission nicht so ernst. Trotz des phänomenalen Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahre, das den hohen Rohstoffpreisen zu verdanken war, haben die Bauern auf dem Land nicht genug zu essen.
Die Wahrheitskommission schrieb, dass Peru erst dann von Frieden sprechen könne, wenn Gleichberechtigung und Solidarität Armut, Diskriminierung und Gleichgültigkeit besiegt hätten. Davon ist das Land weit entfernt. Das Museum ist eine Chance für eine neue Erinnerungskultur, die auch die Ausgegrenzten einschließt. Erst wenn die Peruaner die Leiden ihrer Landsleute anerkennen, wird es Versöhnung geben.

Sonntag, 22. März 2009

Grillausflug in die Anden


Pablo hat ein Grundstück außerhalb von La Paz, wo er uns kürzlich zum Grillen einlud - im Nichts, aber mit Blick auf den Illimani.


















Sonntag, 15. März 2009

Großes Ausmisten

Nach einem Wochenende Ausmisten, kann man jetzt unser Wohnungseingangszimmer endlich wirklich als Zimmer bezeichnen - und ein Foto schießen.

Sonntag, 8. März 2009

Zwei kleine Kollas

Am Donnerstagmorgen entschied mein Chef Gonzalo, dass ich am Freitag bei einer Besprechung in Santa Cruz dabei sein sollte. Also schnell
  • die Reiseerlaubnis eingeholt,
  • den Flug reserviert,
  • in der Mittagspause zu Hause frische Wäsche und Zahnbürste gepackt,
  • pünktlich um drei zurückgewesen zu einer Besprechung im Büro, die um sieben endete,
  • mit dem Chef in die Apotheke getapert, um Mückenmittel zu kaufen,
  • im Mikro für 35 Pfennig zum Flughafen getuckert,
  • nach dem Einchecken telefonisch das Hotelzimmer reserviert,
  • eine Stunde dumm rumgesessen, weil Rückenwind mit 25 Knoten war,
  • und schließlich abends um elf bei 24 Grad in Santa Cruz angekommen.
"Puh, was für eine Hitze", sagte ich zu Gonzalo im Taxi in die Stadt. Und dabei hatte ich mich meiner Strumpfhosen schon in der Mittagspause beim Packen zu Hause entledigt und Wollpullover und Lederjacke bereits beim Landen abgelegt.
"Ja, nicht auszuhalten", antwortete er und sagte lachend: "Somos verdaderos kollingas." - "Wir sind zwei richtige kleine Hochländer."

Montag, 2. März 2009

Don Fidels Geburtstag

Wir saßen wie üblich zu fünft im "petit restaurant", einer üblen Mittagskneipe an der Straßenecke, wo es nur Pommes und zähes Fleisch in Lappersemmeln gibt und ich mir schon zweimal den Magen versaut habe. Die Kollegin Claudia erzählte aufgebracht von ihrem Wochenende.
Ihr Mann hatte sich am Samstag das Schlüsselbein gebrochen. Er wurde noch am selben Tag operiert, am Sonntag entlassen, am Montagmorgen saß er bereits wieder in der Arbeit, mit einer Unmenge von Schmerzmitteln intus und einem mittels Schlinge ruhiggestellten Arm. Jetzt hat er Angst, dass er entlassen wird, weil er nicht ordentlich einsatzfähig ist. Er arbeitet seit vergangenem November in einem Ministerium, sie bezahlen ihn erst seit Mitte Januar, Vertrag hat er immer noch keinen. "Und obendrein kostet uns die Operation einen Monatslohn", klagte Claudia. Das sind 7000 Bolivianos, umgerechnet 800 Euro.
Claudia und ihr Mann und die meisten meiner Kollegen sind scheinselbständige "Berater", keiner von ihnen krankenversichert. Auch ein Gesetz von Evo Morales` Regierung hat an dieser Realität wenig geändert. Deshalb passieren hier auch diese Dinge: Kollegin Ximena kaufte Huftensaft in der Apotheke, als ihr zweijähriger Sohn kürzlich krank war. Den Gang zum Arzt sparte sie sich. Nach einer Woche musste sie den Kleinen ins Krankenhaus bringen - er hatte inzwischen eine Lungenentzündung.
Eine private Krankenversicherung würde 40 bis 60 Dollar im Monat kosten. Das können sich die Kollegen nicht leisten. Dabei sind sie relativ gut verdienende Mittelschicht. Aber das Geld reicht immer gerade so.
Deshalb ist für die meisten eine Katastrophe, was dieser Tage im Defensor de Pueblo passiert. Da die neue Verfassung nicht mehr vom Defensor, sondern von der Defensoría del Pueblo spricht, müssen alle Amtsgeschäfte auf den neuen Namen geändert werden. Unter anderem die Konten. Das alte Konto wurde eingefroren, das neue noch nicht eröffnet, und so warteten die Kollegen umsonst auf den Anruf, dass sie sich ihren Monatsscheck in der Personalabteilung abholen könnten.
An dem Tag, als sich das Desaster herumsprach, gab es nur ein Thema: Wie nun Miete, Strom und Telefon, Wasser, Schulgebühren, die Abschlagzahlungen und der Bus in die Arbeit bezahlt werden sollten. Und nicht zu sprechen vom Geburtstag von Don Fidel, unserem Boten.
Wenn in der Abteilung jemand Geburtstag hat, wird morgens eine halbe Stunde zum Frühstück geladen. Wir sind ein Dutzen Leute und passen gerade so ins Besprechungszimmer. Es gibt für jeden einen heiße Tasse Wasser, den Teebeutel bringt man am besten selbst mit, sonst muß man ihn mit den Kollegen teilen. Daneben liegt eine Semmel. Manchmal auch nur eine halbe. Und wenn jeder das trockene Ding mit dem heißen Wasser hinuntergewürgt hat, stehen wir auf und singen das Ständchen.
Mein Kollege Hector und Don Fidel saßen etwa eine halbe Stunde bei mir und Ximena im Zimmer, um das Problem des ausstehenden Gehalts und der Kosten für das Geburtstagsfrühstück zu erörtern. Sie haben es dann irgendwie geregelt, ich weiß nicht wie, und sogar eine Luxusversion hingekriegt. Es gab für jeden eine halbe Salteña und einen Becher Limo, im Zimmer der Chefin, weil das Besprechungszimmer von einer anderen Abteilung besetzt worden war. Die Chefin macht bei diesen Runden nie mit, aber das war auch an diesem Tag kein Problem - während den Kollegen jede Minute Verspätung vom Gehalt abgezogen wird, taucht die Adjunta ohnehin nie vor elf im Büro auf.
Ja, so ist das mit dem Arbeitsalltag in Bolivien.

Montag, 23. Februar 2009

Paulinas kleine Tierserie

Paulina hatte mir im Sommer einen Jaguar gemalt. Nun gibt´s im Nationalpark Tarriquía auch Jaguare. Leider ist mir keiner vor die Linse gelaufen. Stattdessen. . .

















Sonntag, 22. Februar 2009

Auf den Spuren von Che

Als wir morgens aus unserer Hütte in die Küche schlurften, empfingen uns die drei ansonsten sehr wortkargen Parkwächter mit einem süfisanten Lächeln. "Na, haben Euch die Flöhe nachts sehr geärgert?", fragten sie und räumten freundlicherweise die Küche, die eigentlich ihr Revier war.

Um nicht auszuschweifen: Bei unserem Kurzurlaub über die Faschingsfeiertage im binationalen Naturpark Tarriquía an der argentinischen Grenze haben uns die Flöhen höflicherweise verschont, das Denguefieber fiel uns ebensowenig an, wohl aber die Zangudos, und einen Jaguar haben wir auch nicht gesehen. Die sollen dort angeblich durch die Wälder streifen.


Dafür aber entdeckten wir ein Steinhaus eine halbe Stunde flußaufwärts am Río Tarija, in dem der Che mal untergekommen sein soll. Heute ist das Gebäude ein Militärposten, und die sechs Soldaten, die dort im Nichts stationiert sind, mussten erst mal ihre Hosen anziehen, bevor sie uns empfangen konnten.


Der Empfang war trotzdem recht martialisch. Die haben so wenig zu tun, die Jungs (die Kokainschmuggler übersehen sie geflisstentlich), dass sie am Zugang auf der Wiese eine kleine Fort-Attrappe hingebastelt haben mit dem Spruch: "Dein erster Fehler wird Dein letzter sein." Im Garten hingen Schilder mit Worten wie "Loyalität", "Moral", "Mut".

Wir haben dann schnell wieder die Biege gemacht - trotz Che, sind im strömenden Regen in unsere vergammelte Basisstation zurückmarschiert und haben uns dort den mitgebrachten Wein aus Tarija schmecken lassen. Duschen mussten wir nicht, Wasser gab´s gerade keines.

Alles sehr basic. Aber unser Ziel hatten wir jedenfalls erreicht: Wir waren dem Faschingsrummel entkommen.